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Juli 11, 2026

Ein Trio das bewegt


Wie ist das eigentlich mit der Inspiration für neue Bücher, neuen Leseabenteuern und persönlichen Herausforderungen - besonders im Sommer?

 In den Texten von Alberto Manguel habe ich einen literarischen Schatz entdeckt. Ein Autor, der in vielen Ländern lebte und einen beeindruckenden Lebenslauf vorweisen kann - sowie seine uneingeschränkte Liebe zu Büchern und zum Schreiben. Aktuell lese ich von ihm das Buch „Eine Geschichte des Lesens“ - das mich weitergeführt hat, zu seinem Buch „Die verborgene Bibliothek“.

Der argentinische Autor und man kann sagen „Weltbürger“ Alberto Manguel hatte im französischen Mondion, gemeinsam mit seinem Lebenspartner und mitsamt seiner 40.000 Bücher umfassenden Bibliothek, eine Heimat gefunden. Nach 15 Jahren musste er diesen Ort, der für ihn das Paradies war, jedoch wieder verlassen. In seinem Buch „Eine Geschichte des Lesens“ schreibt Manguel über diesen Verlust - und den Verlust seiner Bibliothek.

Ein Satz aus diesem Buch, hat mich sehr beeindruckt:

„Meine Bibliothek ist ein zutiefst privater Raum. Ein Abbild meiner selbst, das mich umschloss. Ich glaube, dass meine Bibliothek am besten erklären kann, wer ich bin - und einmal war. Selbst wenn sich das über die Jahre kontinuierlich gewandelt hat.“

Der Autor liest jeden Morgen in „Dantes göttlicher Komödie“ einen Vers - als Einstimmung für seinen Tag - und um durch die Schönheit und Brillanz der Worte, seinen Geist zu klären. Er sprach in einem Vortrag sogar von einem „Gedanken-Yoga“, das die „Reinigung“ seiner eigenen Gedanken bewirke.

Das erinnert an die pythagoräische Philosophie, den Menschen mit Hilfe von Kontemplation zu heilen. Sie setzte die kosmische Ordnung gegen das innere Chaos, weil sie glaubten, dass das Universum auf mathematische Harmonien aufgebaut ist. Wenn die menschliche Seele (z. B. durch Trauer, Wut oder geistige Verwirrung) aus dem Gleichgewicht geriet, war sie "ungeordnet“. Indem ein Mensch vollendete, harmonische Formen, wie das Quadrat, den Kreis oder das Dreieck betrachtet, darüber meditiert, soll sich die geordnete Struktur des Kosmos auf die eigene Psyche übertragen. Die Beschäftigung mit der Geometrie war also ein Akt der seelischen Reinigung (Katharsis). Und wir wissen, dass „gute“ Worte ordnend und heilend auf den Menschen wirken.

Manguels Beschäftigung mit Dante finde ich wertvoll und ich habe ebenfalls damit begonnen, täglich 3 Verse in mein Tagebuch zu schreiben. Ähnliches habe ich ein Jahr lang mit der kompletten Bhagavadgita gemacht. Täglich eine Sutra - und es war eine wunderbare Inspiration, ein guter Einstieg in meinen Tag. Dieser Tage ist es: Die Hölle. Erster Gesang. Ich habe nachgesehen, Dantes Komödie hat insgesamt 14.233 Verse, deshalb schreibe ich mehrere Verse pro Tag. Denn bei einem Vers pro Tag bräuchte ich ca. 39 Jahre Lesezeit …

So vergehen meine Stunden und Tage. Lesend, mit Marie laufend und nur hin und wieder im Garten arbeitend, wenn die Schmerzen es zulassen. Ich habe „Das Dekameron“ von Boccacio und „Das Pentameron“ von Basile - und von Dante  das „Vita nuova“ bestellt. Auf meiner Liste steht noch Petrarca „Trionfi“ und einige andere italienische Autoren. Es sind so ganz andere Welten und es fällt mir nicht immer leicht, in den Alltag hier zurückzufinden. Aber vielleicht ist das auch gar nicht sinnvoll … oder nötig - im Sommer.

 






And the days are not full enough
And the nights are not full enough
And life slips by like a field mouse
Not shaking the grass


Ezra Pound 





Mai 18, 2026

Alles beginnt mit der Sehnsucht

Source: https://de.wikipedia.org/wiki/Nelly_Sachs



 Alles beginnt mit der Sehnsucht,

immer ist im Herzen Raum für mehr,

für Schöneres, für Größeres.

Das ist des Menschen Größe und Not:

Sehnsucht nach Stille,

nach Freundschaft und Liebe…

 

So lass nun unsere Sehnsucht

damit anfangen,

Dich zu suchen,

und lass sie damit enden,

Dich gefunden zu haben.

 

Nelly Sachs,  geboren am 10. Dezember 1891 in Schöneberg, 

gestorben am 12. Mai 1970 in Stockholm



... Und versuchen immer wieder - und trotzdem in der Gegenwart zu bleiben … nicht wissend, weshalb Gedanken zeit- und raumlos sind. Uns berühren und wieder vergehen ...

 

Ist es möglich, den Stimmen in Kopf und Herz nicht zu folgen?

Kann ich die Angst vor Ablehnung loslassen?

Wie lausche ich der Stimme meiner Sehnsucht und bin vertraut in der Sprache meines Herzens?

Finde und vertraue ich meiner Schöpferinnenkraft? Pflege ich sie?





April 12, 2026

Die Liebende

 


 

Aber jetzt in diesen Frühlingswochen

Hat mich etwas langsam abgebrochen

Von dem unbewussten dunkeln Jahr.


Etwas hat mein armes warmes Leben

Irgendeinem in die Hand gegeben,

der nicht weiß, was ich noch gestern war.

 

Rainer Maria Rilke






Januar 12, 2026

Schnee

 



Dieser Winter hat uns als späte Weihnachtsgabe (oder war es als Neujahrssegen gedacht ?) doch noch mit Schnee beglückt. Ich gestehe, dass der Winter nicht meine bevorzugte Jahreszeit ist. Er ist wichtig für Mutter Erde und als Stille und Innehalten - in mir sehr willkommen. Meine innere Uhr und ich, registrieren jedoch jede Minute, die die Tage nun wieder länger werden.  


Deshalb, und vielleicht einer gewissen Struktur folgend, gedenke ich den Schneetagen, die hier oben im Norden so selten sind.



In der Stille der Nacht,

fällt lautlos der Schnee,

wir halten uns die Hände -

schweigend.

Welch ein Konzert!



Li Gü- H`si *


* wurde im Jahre 937 als sechster Sohn des 2. Herrschers der Südlichen T'ang-Dynastie geboren. Wer gerne mehr Informationen zu diesem Dichter lesen möchte, empfehle ich die ausführliche Abhandlung von Alfred Hoffmann, "Die Lieder des Li Yü". Sie sind unter dem folgenden Link zu finden: https://www.oaw.ruhr-uni-bochum.de/mam/slc/content/hoffmann_li_yu.pdf


Juni 07, 2025

Räume

Während der Regentage dachte ich an das Buch "Der Kuss des Einhorns" von Tracy Chevalier. Ich habe das Buch erst zu einem Drittel gelesen und überlege, ob ich weiterlesen soll .... 

Es ist die Figur, des Nicolas des Innocents, die mich zögern läßt. Der Gute pflegt ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Libido und ist um keine flotte Rede verlegen, um unter die Röcke der Damen zu gelangen. Mein Männerbild ist gerade nicht freundlich und ich denke, dass ich nicht soviel von der männlichen Welt brauche. Gleichwohl es mir hätte bewusst sein müssen, denn Paris um 1490 ... es herrschten klare Geschlechterverteilungen und die Damen hatten mal wieder keine gute Zeit. 


Und dazu habe ich immer diese eine Gedichtzeile von Martin Walser im Kopf. Sie lautet: Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße" ... (siehe unten). Ob ich einfach als "Gehende" weiterlesen sollte und der Rest des Buches erschließt sich dann ? Oder ich achte auf mein Nichtwollen.

Wenn ich aber doch weiter lese, werde ich vielleicht nicht gleich wissen, warum ich weiterlesen sollte, aber wenn dann legt sich der Teppich der Geschichte aus – und darunter könnten sich Bilder und Erkenntnisse zeigen, die erst im Fortgang spürbar werden.

Und wer weiß, vielleicht wohnt bereits ein Teil der Figuren in mir, hat sich in meinem Bewusstsein eingenistet und wartet darauf, hervorkommen zu dürfen. Vielleicht wartet eine Szene, eine Begegnung, ein Satz, der mein heutiges Denken auf wunderbare Weise verändern könnte. Es gibt nicht nur die Gefahr.

Und was Nicolas des Innocents betrifft, ich erspare mir das andere Geschlecht. Ich erschaffe einen Raum der Heilung, nicht der Reproduktion alter Machtverhältnisse. Lasst uns gemeinsam achtsam mit uns selbst sein.



Es gibt nicht nur die Gefahr,

dass du zu viel riskierst,

es gibt auch die Gefahr,

dass du zu wenig riskierst.

Dem Gehenden schiebt sich

der Weg unter die Füße.


(Martin Walser, 24.03.1927 - 28.07.2023)

aus dem Gedicht "Mut"





Tapisserie - Wandteppich - Bildwirkerei 


Juni 05, 2025

Ein Echo aus der Stille


Lass uns lauschen,
nicht mit den Ohren allein –
sondern mit jenem inneren Verstehen,
das zwischen Sein und Suchen lebt und den Faden der Menschlichkeit spinnt.

Für jene,
die die Sprache der Sehnsucht nicht fürchten.

Nehmt es.
Nicht als Gabe.
Nicht als Gnade.
Sondern als das, was es ist:
Ein Echo,
das seine Antwort sucht.

Nichts ist heilsamer als ein Innehalten,
wenn die Seele nach Stille ruft.

Du darfst jetzt ganz du sein.
Dich nähren. Atmen. Ruhen.

Mit jener Kraft,
die nicht aus Überlegenheit,
sondern aus Herz-Erinnerung wächst.

In eine andere Richtung aufmachen,
seinem eigenen Licht entgegen.

Ein Echo,
das nun - seinen Ursprung und seine Antwort kennt.




Denn wer den Himmel in sich trägt, wie Geschichten es tun,

hat Platz für alle -

auch für jene, die nur im Schatten zu existieren glaubten.









Juni 04, 2025

Wo du erzählst, wird Himmel

 08.06.2025


Wo du erzählst, wird Himmel.

Deine Worte sind aus Lied geformt,

Ich trauere, wenn du schweigst.

Singen hängt überall an dir - 

Wie du wohl träumen magst?


Else Lasker-Schüler





Mai 12, 2025

"Der Spiegel, der spricht"

 


Ich erwache am Morgen und lausche.

Ein Gerüst aus Licht und Duft

ich kann es füllen mit Rosen,

mit Nebel, mit Goldregen.

 

Die Tarotkarten liegen auf dem Tisch.

Wie stumme Boten einer alten Sprache.

Oben sichtbar: Die Hohepriesterin.

Ich lächle still und denke „Der Schleier hat sich bewegt“.

 

Die Muse erscheint im Spiegel,

zart, fast flüchtig, dann deutlicher.

Ist es Traum, Vision, Wirklichkeit?

Die Muse offenbart: Sie war immer da.

Sie konnte sich erst zeigen, wenn das Lauschen da ist.

 

Ich setze mich zur Muse,

mit einer Tasse Tee und lausche.

Die Muse spricht von einer Reise,

nicht durch Länder, sondern durch Wirklichkeiten.

Durch innere Zerrissenheit, Sehnsucht, Berufung, weibliche Erkenntniskraft.

 

Eine Erscheinung?

Die Sonne taucht den Morgen in goldenes Licht,

in Freude und Zuversicht.

Ich beginne zu schreiben, nur für mich.

Und leise spricht die Muse von Vertrauen und Tiefe:

Und wenn du magst, zeichne mit Traumfäden und Stiften.

 

Ich lausche.

Der Morgen leuchtet.




März 16, 2025

Der Eremit als Jahreskarte, eine Zeit der inneren Einkehr

In diesem Jahr ist die Tarotkarte „Der Eremit“ meine Jahreskarte. Es deutet auf eine Zeit der Selbstreflexion, der inneren Einkehr und des Rückzugs hin. Die Karte verheißt ein Jahr, in dem ich aufgefordert werde , mich von äußeren Ablenkungen zurückzuziehen und mich auf meine innere Weisheit zu konzentrieren.

Der Eremit ist eine Karte der großen Arkana, die für Weisheit, Einsamkeit und spirituelle Suche steht. Er symbolisiert die Notwendigkeit, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, um Klarheit und Verständnis zu gewinnen. Es ist eine Zeit, in der Werte und Überzeugungen hinterfragt werden sollten, und eine Konzentration auf das Wesentliche nötig ist.

Hmmm, das kann ich soweit bestätigen. Und ich habe die Zeit, oder Bereitschaft, um innere Einkehr zu halten. Ich schreibe täglich um meine Gedanken und Gefühle zu reflektieren. Es heißt auch, ehrlich zu mir selbst zu sein und meine Stärken und Schwächen zu erkennen. Das ist zugegebenermaßen nicht immer einfach.

Es ist in Ordnung für mich, dass soziale Verpflichtungen in den Hintergrund treten, um dadurch  Zeit für mich selbst zu haben. Ich kann so meine Batterien aufladen und mich auf meine Ziele konzentrieren. Der Eremit ist eine spirituelle Karte, die auf eine tiefere Verbindung zu meinem inneren Selbst hinweist. Sie hilft beim offen sein für neue Erfahrungen und Erkenntnisse. Es ist ein Weg herauszufinden, was mir wichtig ist. Was bleiben kann.

Dieses Jahr erwarten mich tiefgreifende Veränderungen, meine Wohn- und Lebenssituation betreffend. Ich ringe noch um Klarheit, was die nächsten Schritte betrifft. Und ich erhoffe mir innere Weisheit und Stärke zu entwickeln, die ich brauchen werde, um sie umzusetzen. 





Zu meiner Jahreskarte empfinde ich die Gedanken von Willigis Jäger als sehr stimmig:


Wer sich auf die Stille einlässt 


Wer sich auf die Stille einlässt,

mit dem geschieht etwas.

Die Stille verändert uns,

sie eint und heilt.


(Willigis Jäger, 7. März 1925 - 20. März 2020)




PS: Ich fotografiere Bücher und Tarotkarten auf meiner Tastatur um zu zeigen, dass sie sich in meinem Besitz befinden. Ich mache ausdrücklich keine Werbung für Bücher und andere von mir gezeigten Artikel. Ich kaufe meine Sachen selbst und wenn ich Markennamen nenne, soll es dazu dienen, dass ihr nachvollziehen könnt, worüber ich schreibe.



Dezember 03, 2024

Zeit

 



NICHT OKTOBER NICHT NOVEMBER


Herbst sagst du
aber ich sage dir
nicht Oktober nicht November
du musst einen neuen Kalender erfinden
ein andres Alphabet
eine Sprache die Einhalt gebietet
denn die Zeit fällt
fällt ins Unabsehbare
und wir fallen mit ihr

(Rose Ausländer)


Es ist Dezember. Der erste Advent wurde gefeiert und ähnlich, wie in Rose Ausländers Lyrik, erlebe ich diese Zeit als etwas das "fällt". Einem oder einer zufällt und weiter zieht. Es ist Zeit, an die Sperr- und Dunkelnächte zu denken, die ich ab dem 8. Dezember "feiern" werde. Ebenso werde ich, wie jedes Jahr, die Rauhnächte zelebrieren. Die Zeitqualitäten wollen aufmerksam beobachtet, gewürdigt und gelebt werden. Ich werde in die Vergangenheit und in die Zukunft schauen und ahnen und wissen, dass Zeit viele Dimensionen hat, von denen wir nicht alle kennen.  


Die passende Lektüre heute: Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny







Oktober 23, 2024

Haiku

Morgennebeldunst

Wie ein hingemalter Traum

geht ein Mensch vorbei.




Yosa Buson oder Yosa no Buson

1716 bis 1784

 

 

Mai 17, 2024

Grazien

"Kommt nun herbei, Grazien zart, Musen mit schönen Haaren."

Source: Wikipedia

So dichtete Sappho. Und es gefällt mir sehr. Musen, Grazien und dazu noch Schönheit, was kann ich mehr wünschen. Den Himmel auf Erden?

Sappho, eine der berühmtesten Dichterinnen der antiken Welt, wurde um das Jahr 630 v. Chr. auf der Insel Lesbos im ägäischen Meer geboren. Als Tochter eines reichen Adligen genoss sie eine privilegierte Ausbildung, die ihr eine umfassende Kenntnis der Literatur und der Künste vermittelte.

Es heißt, dass Sappho früh ihre Leidenschaft für Poesie entdeckte und begann, ihre eigenen Gedichte zu verfassen, die oft von Liebe, Leidenschaft und Schönheit inspiriert waren. Sie gründete (wie es heißt nach ihrer Rückkehr aus dem Exil) eine Schule für junge Mädchen und Frauen, die als "Sappho-Kreis" bekannt wurde, in der sie ihre Schülerinnen auf ihr späteres Leben vorbereitete und in der Kunst des Dichtens unterwies.

Ihre Gedichte wurden für ihre Eleganz, ihre Sinnlichkeit und ihre lyrische Intensität gerühmt und gewannen schnell an Popularität in der gesamten antiken Welt. Sappho wurde als "Zehnte Muse" verehrt und ihre Werke wurden von Generationen von Dichtern und Schriftstellern bewundert und nachgeahmt.

Es ist überliefert, dass Sappho aufgrund politischer Spannungen, so heißt es, gemeinsam mit ihrer Tochter, um 600 v.Chr. vom damaligen Tyrannen ins Exil nach Sizilien verbannt wurde.

Trotz ihrer großen Bedeutung für die antike Literatur ist nur ein Bruchteil ihres Schaffens erhalten geblieben. Viele ihrer Gedichte sind verloren gegangen oder wurden im Laufe der Jahrhunderte zerstört. Aber ihr Einfluss auf die Poesie und die literarische Tradition ist für viele Menschen unbestritten.

Sappho verstarb wahrscheinlich um das Jahr 570 v. Chr. Ihr Vermächtnis lebt jedoch weiter in den Fragmenten ihrer Gedichte und in der Erinnerung an eine Frau, deren poetische Vision und Leidenschaft die Welt veränderten.


***

Wie komme ich auf Sappho? Mia Kankimäkis zweites Buch "Frauen, an die ich nachts denke" zitiert Sappho mit den obigen Zeilen. Sie schreibt darin über die Frauen, über die sie in schlaflosen Nächten nachdenkt, reflektiert. Sie nennt sie Nachtfrauen und die Autorin macht sich auf die Reise, um "den Spuren ihrer Heldinnen" zu folgen. Sie schreibt u.a. über Karen Blixen und Afrika, Isabella Bird, Ida Pfeiffer, Mary Kingsley, Nelly Bly, Yayoi Kusama und andere Frauen, die ihr Inspiration waren.

Das Buch ist wieder die Suche nach ihrem eigenen Roman, ihrem eigenen Stil. Darüber hat man schon in ihrem ersten Roman, "Dinge, die das Herz höher schlagen lassen" gelesen. Ich hätte mich gefreut, mehr über ihre Protagonistinnen zu lesen. Z.B. über Alexandra David-Neel, die als erste westliche Frau Tibet bereiste, sich heimlich auf den Weg nach Lhasa machte. Trotzdem finde ich das Buch lesenswert und ganz besonders die Ratschläge die sie ihren Nachtfrauen in den Mund legt:

"Wenn du unter Depressionen, Frustration oder Kopfschmerzen leidest, mache dich auf die Reise!"

oder:

"Sei mutig! Es macht nichts, wenn du Angst hast. Spiele mit den Karten, die du bekommst! Auch wenn du krank bist, kannst du aus vollen Zügen leben. Wenn du alles verlierst, fange an zu schreiben!

Es gibt so viele Parallelen zu heutigen Frauenleben. Die abenteuerlichen Reisen zu uns selbst, die wir durchleben. Das Hadern mit dem Schicksal, vielleicht. Die Themen Angst und Krankheiten haben unsere Vorfrauen mindestens ebenso beschäftigt, wie uns heutige Frauen. Es scheinen universelle Themen zu sein. Noch.


  




PS: Ich bitte die verschiedenen Schriftarten zu entschuldigen. Der Editor ließ sich nicht dazu bewegen, meine Formatierungen umzusetzen.






Mai 02, 2024

Jeder Tag

 
Ein Zitat, das Arthur Schopenhauer zugeschrieben wird, gibt in etwa die Gedanken wieder, die seit einiger Zeit immer wieder in mir auftauchen:

“Jeder Tag ist ein kleines Leben, jedes Erwachen eine kleine Geburt, jeder neue Morgen ist eine kleine Jugend.” 

 Arthur Schopenhauer

Man kann diese Gedanken auch auf den Lauf des Jahres anwenden. Im Frühling, am Morgen, macht sich alles Lebende auf zu neuen Taten. Die Lebensuhr ist frisch aufgezogen und schnurrt hin zum Vollfrühling und den frühen Sommertagen am Mittag. Die Jahresmitte, um den Sommeranfang herum ist nach dieser Auffassung am Mittag. Die Sonne hat ihren höchsten Punkt erreicht. Unser Arbeitstag ist zur Hälfte geschafft und wir lassen uns gerne ein Mittagessen schmecken. 

Die Mittagszeit ist genau wieder Sommer eine Zeit des Innehaltens, des Verweilens. Im Tag verweilen, eine Pause einlegen, so wie der Sommer mit seinen warmen Tagen zu Genuß und Ausruhen einlädt. Im täglichen Herbst genießen wir am Nachmittag noch produktive Stunden, spüren aber bereits, dass die Uhr des Tages langsamer läuft, dass die Kräfte nachlassen und wir uns über Pausen freuen und das schöne Gefühl, den Tag gemeistert, nach unseren Wünschen gestaltet zu haben.

Zum Abend hin wird es winterlich. Was hat der Tag gebracht, was sollte oder muss noch getan werden. Habe ich alles "geschafft", was ich mir vorgenommen habe, was will ich heute noch erledigen und was muss an einem anderen Tag, einem anderen Jahr erledigt werden. Dem Jahreslauf folgend, geschieht Rückzug ins Private, ins Haus und der Schlaf wird vorbereitet, der seine Träume in uns schneien lässt.

Die erste Mohnblüte
Die erste Mohnblüte

Nicht nur der Mensch verortet sich gerne. Wir suchen und schaffen Ankerplätze im Alltäglichen, im Raum und in der Zeit. Es ist uns Bedürfnis, Zeiten und Rhythmen zu bestimmen, so wie die Natur uns - z.B. durch ihre Jahreszeiten, Bezugspunkte setzt. Wir gehen durch die Stunden des Tages, wie durch Jahreszeiten und bauen unser Haus.



Die erster Rosenblüte


Februar 29, 2024

Welche Sprache trage ich heute ...

fragt Volha Hapeyeva. 


Copyright Photo: Stephan Pramme


„Sprache ist mein Leben“  - sagt Volha, welche und welcher mehr dazu wissen mag, folge bitte dem  
Link oder diesem weiterführenden Link

Bei wikipedia.org/wiki/Volha_Hapeyeva finde ich: Volha Hapeyeva (belarussisch Вольга Гапеева, deutsch Wolha Hapejewaenglisch Volha Hapeyeva; * 1982 in Minsk) ist eine belarussische Schriftstellerin, Dichterin, Übersetzerin und Linguistin. Ihr Name wird im Deutschen mit Wolha Hapejewa transkribiert, sie publiziert jedoch auch im deutschen Sprachraum unter ihrer englischen Schreibweise.

Volha Hapeyeva sagt: "Sprache ist mein Leben".  

Das ist so mutig und radikal - und ich bin so verliebt in diesen Satz, dass ich ihn mit euch teilen möchte. 

Im Original heißt Volhas Essay: "Which Language Are You Wearing Today"?

On Foreign and Home Languages

with Artworks by the Author



Mir liegt nur ein Ausdruck vor, den ich im Internet gefunden habe. 

Translation from German by Anna Bakinovskaia

English Editing by Annie Rutherford

Wenn andere Rechte vorliegen, bitte ich höflich um eine Mitteilung um sicher zu stellen, keine fremden Rechte zu verletzen.

*****

Warum lest ihr hier zur Zeit soviel über Bücher, Gedanken, Literatur? Nach meiner Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie und der Ausbildung zur Psychologischen Beraterin, erkenne ich immer tiefer, wie sehr Sprache (genauso wie Kunst) zum Menschen, Menschsein und zum Leben gehört.  Wie bereichernd sie sein kann aber wie in gleichem Maß auch  das Ungute damit einher gehen kann.  Selber wuchs ich in einer Familie mit sehr eigenen Sprachgebräuchen auf. Diese hatten Einfluss auf meine meine Rolle als Kind, Tochter und den damit einhergehenden Lern- und Sprachverhältnissen.

Derzeit bin ich Fernstudierende des Studienganges "Kreatives Schreiben". Ich erhoffe mir - auch für mein persönliches Wachsen - ein tieferes Verständnis von Sprache und Menschen, die mit Sprachen interagieren, mit ihnen leben . Das ist so ein weites Feld, immer wieder tun sich neue Möglichkeiten auf - und es freut mich, nach vielen Jahren einer anders bestimmten beruflichen Tätigkeit,  nun ein so herrlich weites Feld für mich gefunden zu haben.  

Nicht nur in meinem beruflichen Leben hatte ich immer wieder das Glück, auf Menschen zu treffen, die Sprache liebten und denen Sprache mehr war als nur schnöde Mitteilung eines Einkaufszettels oder einer Handlungsanweisung. Es ist im Nachhinein gleich, sie waren alle "Lehrer und Lehrerinnen oder Meister und Meisterinnen", denen ich zu Dank verpflichtet bin.

 

In einem weniger klar definierten Raum, handelt Annika Domainkos Roman,  "Ungefähre Tage". Ich habe das Buch neugierig aber auch mit einem weinenden Auge gelesen.                                                                                                                                                                                                                                                                          


                                                                                                                                                                                 Unklare Lebensverhältnisse beschreibt sie, die Autorin Annika Domainko, in ihrem Roman. Es sind Lebensverhältnisse, Lebensereignisse, die von Menschen, und die vom Leben und Arbeiten auf einer Station einer Psychiatrie, handeln. Umgekehrt aber auch von Menschen, die als Teil einer Erkrankung, in diese Form einer "Heilung" oder Besserung ihrer Symptome in bestimmten Kontexten verbleiben wollen oder müssen, ihnen zugeführt werden.  Hier trifft Pfleger Grün auf eine Frau, die ihn fasziniert. Die Autorin schreibt über „zwei haltlose Menschen, die sich getrieben von der Angst vor dem Zusammenbruch und von Kontrollverlust und sich daraus ergebenden Kontroll- und Machtverlust bewegen.

 Ein leiser Roman, teilweise beklemmend aber hinterfragend und aufmerksam schildernd. Ich habe ihn gerne gelesen. Und nicht nur hin und wieder mit der Frage im Kopf, wie würde ich agieren.

 *****




Im Winsener Buchladen habe ich mir Mangas angeschaut. So oft hatte ich (davor) das Gefühl, dass dies eine Form der Literatur ist, die vor allem jüngere Menschen, Leserinnen  und Leser betrifft. Doch ich habe erfahren, dass diese Gattung mittlerweile auch für "ältere Leser und Leserinnen" eine Bereicherung ist.

Gefunden habe ich ein Buch, das von einer „alten“ Frau erzählt, die einsam und dement ist, obwohl ihre Kinder sich liebevoll um sie kümmern. Sie erkennt ihre Enkeltochter nicht  mehr, erlebt viele Dinge anders, als ihre Tochter und deren Tochter. 

So wie der klassische Manga von hinten nach vorne, von rechts nach links gelesen wird, so entfaltete sich diese Geschichte, in der wir die Protagonistin rückwärts durch ihr Leben begleiten.


Yumi Sudo hat eine schöne Geschichte gewebt. Sie erzählt vom Leben zweier Frauen, die erst spät, zu spät, realisieren, dass sie ihr Leben gerne miteinander verbracht hätten … Entsprechend lautet auch der Titel: „Was bleibt von unseren Träumen?“

 Japan fasziniert ich gerade sehr. Es sind so ganz andere Lebenswelten, wobei mir natürlich bewusst ist, dass in Romanen und Berichten nur eine Annäherung stattfinden kann, die dem Vergleich mit der Gegenwart eher nicht standhalten wird. 


 Sehr gerne habe ich das Buch „Die letzte Konkubine“ gelesen. Es war eine völlig neue Welt für mich. Die Autorin, Lesley Downer, nimmt ihre Leser mit, in das „Edo-Zeitalter“, um 1860, in den Palast eines Shoguns in der Stadt Edo, dem heutigen Tokyo.
Lesley Downer ist die Tochter einer Chinesin und eines britischen Professors für Chinesisch, so dass sie natürlich in einem Haus voller Bücher über Asien aufwuchs. Trotz ihrer chinesischen Wurzeln interessiert sie sich mehr für Japan. 1978 ging sie zum ersten Mal dort hin und ließ sich sogar zur Geisha ausbilden. Insgesamt hat sie dort fünfzehn Jahre verbracht. Quelle

Mir war bis dahin nicht bewusst, dass die Konkubine eines Shogun in Japan, einen so hohen gesellschaftlichen Rang innehaben konnte. Die Autorin zeichnet „Frauenbilder“, die einen großen Kontrast zum heutigen Rollenverständnis von Frauen zeigen. Die Zeitschrift Brigitte wird auf dem Buchumschlag zitiert: „Ein opulenter Roman, der einen großartigen Einblick in die japanische Gesellschaft bietet“. Dem schließe ich mich an.

 


 Zuletzt noch ein Bild einer Kimekomi Puppe. Als Puppenliebhaberin und Puppenmacherin kam ich natürlich nicht umhin, nach Japanischen Schätzen Ausschau zu halten. Vielleicht mögt ihr sie ...










Noch ein Haiku, für diejenigen unter euch, die diese Form der Dichtung mögen:



Ich hab den Boten

unterwegs getroffen, öffne den Brief -

der Frühlingswind!


Kito


Quelle: dtv.de, München, 14. Auflage, München