Wie ist das eigentlich mit der Inspiration für neue Bücher, neuen Leseabenteuern und persönlichen Herausforderungen - besonders im Sommer?
In den Texten von Alberto Manguel habe ich einen literarischen Schatz entdeckt. Ein Autor, der in vielen Ländern lebte und einen beeindruckenden Lebenslauf vorweisen kann - sowie seine uneingeschränkte Liebe zu Büchern und zum Schreiben. Aktuell lese ich von ihm das Buch „Eine Geschichte des Lesens“ - das mich weitergeführt hat, zu seinem Buch „Die verborgene Bibliothek“.
Der argentinische Autor und man kann sagen „Weltbürger“ Alberto
Manguel hatte im französischen Mondion, gemeinsam mit seinem
Lebenspartner und mitsamt seiner 40.000 Bücher umfassenden Bibliothek, eine
Heimat gefunden. Nach 15 Jahren musste er diesen Ort, der für ihn das Paradies
war, jedoch wieder verlassen. In seinem Buch „Eine Geschichte des Lesens“ schreibt
Manguel
über diesen Verlust - und den Verlust seiner Bibliothek.
Ein Satz aus diesem Buch, hat mich sehr beeindruckt:
„Meine Bibliothek ist ein zutiefst privater Raum. Ein Abbild
meiner selbst, das mich umschloss. Ich glaube, dass meine Bibliothek am besten
erklären kann, wer ich bin - und einmal war. Selbst wenn sich das über die
Jahre kontinuierlich gewandelt hat.“
Der Autor liest jeden Morgen in „Dantes göttlicher Komödie“
einen Vers - als Einstimmung für seinen Tag - und um durch die Schönheit und
Brillanz der Worte, seinen Geist zu klären. Er sprach in einem Vortrag sogar
von einem „Gedanken-Yoga“, das die „Reinigung“ seiner eigenen Gedanken bewirke.
Das erinnert an die pythagoräische Philosophie, den Menschen
mit Hilfe von Kontemplation zu heilen. Sie setzte die kosmische Ordnung gegen
das innere Chaos, weil sie glaubten, dass das Universum auf mathematische
Harmonien aufgebaut ist. Wenn die menschliche Seele (z. B. durch Trauer, Wut
oder geistige Verwirrung) aus dem Gleichgewicht geriet, war sie
"ungeordnet“. Indem ein Mensch vollendete, harmonische Formen, wie das Quadrat,
den Kreis oder das Dreieck betrachtet, darüber meditiert, soll sich die
geordnete Struktur des Kosmos auf die eigene Psyche übertragen. Die
Beschäftigung mit der Geometrie war also ein Akt der seelischen Reinigung (Katharsis).
Und wir wissen, dass „gute“ Worte ordnend und heilend auf den Menschen wirken.
Manguels Beschäftigung mit Dante finde ich wertvoll und ich habe
ebenfalls damit begonnen, täglich 3 Verse in mein Tagebuch zu schreiben. Ähnliches
habe ich ein Jahr lang mit der kompletten Bhagavadgita
gemacht. Täglich eine Sutra - und es war eine wunderbare Inspiration, ein guter
Einstieg in meinen Tag. Dieser Tage ist es: Die Hölle. Erster Gesang. Ich habe
nachgesehen, Dantes Komödie hat insgesamt 14.233 Verse, deshalb schreibe
ich mehrere Verse pro Tag. Denn bei einem Vers pro Tag bräuchte ich ca. 39
Jahre Lesezeit …
So vergehen meine Stunden und Tage. Lesend, mit Marie
laufend und nur hin und wieder im Garten arbeitend, wenn die Schmerzen es zulassen. Ich habe „Das Dekameron“
von Boccacio
und „Das Pentameron“ von Basile - und von Dante das „Vita nuova“ bestellt. Auf meiner Liste
steht noch Petrarca „Trionfi“ und einige andere italienische Autoren. Es
sind so ganz andere Welten und es fällt mir nicht immer leicht, in den Alltag
hier zurückzufinden. Aber vielleicht ist das auch gar nicht sinnvoll … oder
nötig - im Sommer.
Ezra Pound


