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Januar 27, 2026

Die Stunden …

 lautete der ursprüngliche Titel von Mrs Dalloway - einem Stück Weltliteratur, aus der Feder von Virginia Woolf. Er wird zur Gattung der experimentellen Literatur gezählt, da die Autorin neue Wege der Darstellung beschritten hat. Die äußere Handlung ist ein Tag im Leben einer Dame aus der Britischen Oberschicht, die Vorbereitungen für ein Dinner trifft, das am gleichen Abend stattfinden soll. Die Rahmenhandlung gibt Einblicke über die einzelnen Stunden dieses Tages - doch das Wesentliche findet in den Gedanken und Reflexionen der Protagonistin statt. Anhand scheinbar trivialer Begebenheiten erzählt Woolf die Gedanken einer Frau und eines Lebens, denen sie mit Akribie folgt.

Ich gebe zu, dass das Lesen des Buches eine Herausforderung für mich ist. Es scheint, dass der Leser, die Leserin von heute mit den detailreichen Facetten des Romans überfordert ist. Scheinbar fehlt es mir an der Zeit oder der Bereitschaft, die es braucht, um schwierigen eigenen und fremden Interessen, sprich Gedanken nachzugehen. Für mich ist der Film The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit deshalb eine große Hilfe, um einen Einstieg in das komplizierte Geflecht der Gedanken und Gefühle von Mrs Dalloway zu finden.

In der ARD Mediathek lese ich dazu, „dass ausgehend von Virginia Woolfs Roman 'Mrs. Dalloway', die Geschichten dreier Frauen entfaltet werden, die zu verschiedenen Zeiten leben, deren Schicksale aber durch das Buch, das einen Tag im Leben einer Frau beschreibt, miteinander verwoben sind.“ Der Film aus 2003 wird von wunderbaren Schauspielerinnen und Schauspielern getragen. Es sind, um nur drei von ihnen zu nennen: Meryl Streep, Julianne Moore und Nicole Kidman.

Der Link zum Film: https://www.ardmediathek.de/video/the-hours-von-ewigkeit-zu-ewigkeit/the-hours-von-ewigkeit-zu-ewigkeit/one/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtZjk0MzFmODktMjFjMy00Yjg5LTlkOGUtOTJhOWUxMzlhMDU2


Vielleicht hat mir das Buch auch deswegen Schwierigkeiten bereitet, weil die Gestaltung - im Rahmen eines Semesterprojekts des Kommunikationsdesigns der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle, in Kooperation mit der Büchergilde Gutenberg entstanden - als außergewöhnlich zu bezeichnen ist. Die Illustrationen sind gewöhnungsbedürftig, das Seitenlayout ähnelt einer zu eng beschriebenen Schreibmaschinenseite und auf eine Seitenangabe wurde komplett verzichtet. Stattdessen wurde eine Uhr gewählt, die sich am Tagesverlauf orientiert. Der Fortschritt der Zeiger ist die einzige Orientierungshilfe im Verlauf des Tages und des Buches.


In der „preiswerten“ Ausgabe des Anaconda Verlags finde ich die Orientierung, die mir als Leserin mehr zusagt. Das Buch ist klein und handlich und regt mich stärker dazu an, für mich relevante Stellen im Internet zu recherchieren. Hier weist das obige Buch der Büchergilde ein „Zuviel“ auf,  da die Fußnoten für meinen Geschmack zu zahlreich sind und meinen Gedankenfluss stören.

Ist meine Einschätzung des Buches zu negativ? Vielleicht. Aber mir ist wieder bewusst geworden, wie sich Lesegewohnheiten auf den Genuss einer Lektüre, eines Buches auswirken. Der  Reiz des Lesens ist für mich unbedingt, dass ich eigene Bilder und Vorstellungen entwickeln kann, dass ich nicht bevormundet werde. Vielleicht hat mich deshalb der Film The Hours so berührt. Es sind leise Bilder, die Geschichten erzählen, ohne, dass sie meiner Phantasie Zügel anlegen.



Januar 25, 2024

Januar

 


Heute ist der erste trockene Tag seit Wochen. Hier ist es wettertechnisch noch immer nicht lustig. Meine Spaziergänge mit Marie sind eine Tortur. Wir werden beide - trotz Schirm und angemessener Kleidung (auch Marie) - nass bis auf die Haut und ich kann gar nicht so viel über das Wetter meckern, wie mir kalt ist. Auf einer Runde brauche ich locker eine Packung Taschentücher, um der Nasenflüssigkeit Herr zu werden. Marie scheint nicht erkältet zu sein. Kein Wunder. Wenn wir nach Hause kommen, packe ich sie auf den Tisch und föhne sie ausgiebig. Sie mag es, wenn ich liebevoll an ihr herum kämme, sie massiere und sie trocken und warm "mache", auch wenn es ziept und zuppelt.



https://de.wikipedia.org/wiki/Suffragetten#/media/Datei:Feminist_Suffrage_Parade_in_New_York_City,_1912.jpeg


Gestern habe ich in der ARD-Mediathek einen Film über Suffragetten gesehen. Suffragette – Taten statt Worte (Originaltitel: Suffragette) aus dem Jahr 2015. Ein bedrückender Film, ein echtes Drama. Unter welchen Bedingungen (Arbeiter)Frauen gelitten haben und wie sehr sie für ihr Wahlrecht gekämpft haben (im Film wird die Zeit um 1912 thematisiert). Der Druck, dem sie seitens der Obrigkeiten, der Nachbarn, ihrer Familien und ihrer Ehemänner ausgesetzt waren, war gewaltig. Ich ziehe meinen Hut vor deren Mut und fühle mich dabei relativ unbedeutend. Diese Frauen haben für Frauen und deren Rechte gekämpft. Ihr Los konnten viele nicht verbessern aber ihre Töchter sollten es besser haben. Sie verfassten Petitionen, forderten gleichen Lohn für gleiche Arbeit und ein gleiches Ehe- und Scheidungsrecht für beide Geschlechter. 

 



Damit ziehe ich einen Bogen zu Virginia Woolf, über die und die Bloomsburry-Frauen ich in diesem Monat gelesen habe. Heute, am 25.Januar 1882 wurde Virginia Woolf in London geboren. Und ich bin erstaunt, das war vor 142 Jahren. Ihre Gedanken kommen mir vertraut vor, nicht viktorianisch oder verstaubt oder gar krank. Victoria war eine bedeutende Schriftstellerin der Moderne, deren Essay „A Room of One´s Own“ (Ein Zimmer für sich alleine) in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts (wieder durch die Frauenbewegung)  erneut entdeckt wurde. 

Sie hat (erst) 1929 in diesem Essay gefordert, dass jede Frau ein eigenes Zimmer haben solle (um zu schreiben oder zu malen oder oder…) und eigenes Geld in Höhe von 500 Pfund jährlich. (Das wären heute so um die 20.000 Euro.) Und ich frage mich, ob wir uns würdig erweisen, unseren Vorfrauen gegenüber … ihren Gedanken, Wünschen und Vorstellungen.


Frauenthema und Frauenbildung

und Frauenarmut und Frauengesundheit

und Frauenbildung und Frauenarmut

und Frauenleben und  Frauengesundheit


 sind so große Themen. Manchmal scheinen sie sich zurückzuziehen aber dann sind sie wieder sehr präsent und fordern Beachtung.

Um noch einen Gedanken  zu Victoria Woolf auszuführen. Sie wuchs in einem großbürgerlichen und gebildeten Elternhaus auf und doch war es ihr verwehrt, eine Schule zu besuchen, zu studieren. Für ihre Brüder war dies eine Selbstverständlichkeit. Sie hat Zeit ihres Lebens darunter gelitten, dass es der "Zeitgeist" einfach vorgab, dass Frauen keine Rolle im männlich dominierten Bildungssystem zu spielen hatten. 

Es steht außer Frage, dass Virginia in und durch ihr Schreiben, ihren persönlichen Weg gesucht hat. Ob sie ihn gefunden hat, vermag ich nicht zu beurteilen, auch wenn dies im Äußeren der Fall zu sein scheint. Es gab schon damals so viele Wege, auf denen Frauen wirken wollten und konnten. Ihre Biographen schreiben über die Qualen unter denen Virginia litt, den Dämonen denen sie sich stellte und - davon bin ich überzeugt - sie haben reifen lassen. 



August 09, 2022

Woran glauben wir?

 



Man kann vielleicht nur ganz an das glauben, 

was man nicht sehen kann.


(Virginia Woolf)











Bild: commons  wikimedia


BeschreibungMist over lake Kaviškis (Lithuania)
Datum
Quelleown work (Canon PowerShot S60)
Urheberarz
Genehmigung
(Weiternutzung dieser Datei)
Public