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Januar 21, 2026

Eiszeit

 

Die weltpolitische Lage kommentiere ich hier nicht. Über das Wetter reden, geht immer. Wir im Norden, bibbern bei Minusgraden durch den Tag, aber: es wäre Jammern auf hohem Niveau. Denn die Sonne scheint fast den ganzen Tag, was den Gute-Laune-Pegel erfreulich hochhält. Die Aufenthalte Draußen sind begrenzt auf Hunderunden und kurze Gartenepisoden. Was liegt also näher, als sich mit der heimischen Bibliothek zu befassen und in den Regalen und auf den Arbeitstischen „aufzuräumen“. In erster Linie dient dieses Aufräumen natürlich meiner eigenen Erbauung, welche Schätze werde ich in den Stapeln finden, die meiner Aufmerksamkeit entgangen sind? Wo ist die nächste gute Geschichte, in die ich versinken möchte. Und natürlich wurde ich fündig. Ich werde immer fündig. Dieses Mal fand ich einen Roman, mit einem merkwürdig langen Titel, der mich neugierig machte. Voila, hier stelle ich ihn euch vor:


Das "Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland" ist alles andere als ein „normales“ Handbuch für Reisende. Sarah Brooks hat kein Reisehandbuch geschrieben, sondern einen Fantasy-Abenteuerroman, der mitsamt seiner Leserschaft immer wieder ins Mystische des ausgehenden 19. Jahrhunderts abtaucht.

Die Handlung dreht sich um - und spielt im Transsibirien-Express, dessen Route durch die gefährliche Wildnis des „Ödlands“ verläuft. Dieses geheimnisvolle Ödland ist eine gefährliche Wildnis, die zwischen China und Russland verortet wird. Das fiktive Ödland, das nichts weniger ist als eine alternative Realität, steckt volle Rätsel und zieht Reisende seit vielen Jahren in seinen Bann. Es ist besiedelt von furchterregenden Kreaturen, nie gesehenen Naturphänomenen und bemerkenswerten Lebensformen, die den Zug, die Besatzung und seine Passagiere in Atem halten.

Die Geschichte erzählt von einer Gruppe unterschiedlicher Passagiere und der Crew des Zuges. Alle sind noch angespannter als sonst, da alle Erinnerungen an die vorherige Reise auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Sicher scheint nur, dass bei der letzten Durchquerung des Ödlands etwas schrecklich schiefgelaufen ist. Doch warum spricht niemand darüber?

Die Hauptfiguren sind:

Weiwei, das Zugkind, ein junges Mädchen, das auf dem Zug geboren wurde und dort ihr ganzes Leben verbracht hat.

Maria, eine Frau mit einer geliehenen Identität, die nach Antworten über ihren Vater sucht.

Henry Grey, der Naturforscher, der in Ungnade gefallen ist und der nach Wiedergutmachung sucht.

Und andere Mitreisende, wie die Gräfin oder der Professor - und Elena.

Die Handlung ist dicht und voller Geheimnisse. Sie konzentriert sich stark auf die Passagiere und die Besatzung des Zuges, die zusammenarbeiten müssen, um die Reise zu überleben. Die Atmosphäre während der Fahrt, die Geschichten, die gewoben werden, sind berührend und ziehen den Leser/ die Leserin in ihren Bann, während das Unerklärliche droht, in den Zug einzudringen und sie alle zu verschlingen. Das Buch zeigt großartige Charaktere, die alle mit ihrem ganz persönlichen Geheimnis reisen und zeichnet eine teilweise magische, übernatürliche Atmosphäre.

Wäre ich gerne mitgefahren? Ja, ich glaube schon. Alleine die Möglichkeit, ein Wesen wie Elena kennenzulernen, wäre zu verlockend.





Januar 12, 2026

Schnee

 



Dieser Winter hat uns als späte Weihnachtsgabe (oder war es als Neujahrssegen gedacht ?) doch noch mit Schnee beglückt. Ich gestehe, dass der Winter nicht meine bevorzugte Jahreszeit ist. Er ist wichtig für Mutter Erde und als Stille und Innehalten - in mir sehr willkommen. Meine innere Uhr und ich, registrieren jedoch jede Minute, die die Tage nun wieder länger werden.  


Deshalb, und vielleicht einer gewissen Struktur folgend, gedenke ich den Schneetagen, die hier oben im Norden so selten sind.



In der Stille der Nacht,

fällt lautlos der Schnee,

wir halten uns die Hände -

schweigend.

Welch ein Konzert!



Li Gü- H`si *


* wurde im Jahre 937 als sechster Sohn des 2. Herrschers der Südlichen T'ang-Dynastie geboren. Wer gerne mehr Informationen zu diesem Dichter lesen möchte, empfehle ich die ausführliche Abhandlung von Alfred Hoffmann, "Die Lieder des Li Yü". Sie sind unter dem folgenden Link zu finden: https://www.oaw.ruhr-uni-bochum.de/mam/slc/content/hoffmann_li_yu.pdf


Dezember 15, 2024

Januar 25, 2024

Januar

 


Heute ist der erste trockene Tag seit Wochen. Hier ist es wettertechnisch noch immer nicht lustig. Meine Spaziergänge mit Marie sind eine Tortur. Wir werden beide - trotz Schirm und angemessener Kleidung (auch Marie) - nass bis auf die Haut und ich kann gar nicht so viel über das Wetter meckern, wie mir kalt ist. Auf einer Runde brauche ich locker eine Packung Taschentücher, um der Nasenflüssigkeit Herr zu werden. Marie scheint nicht erkältet zu sein. Kein Wunder. Wenn wir nach Hause kommen, packe ich sie auf den Tisch und föhne sie ausgiebig. Sie mag es, wenn ich liebevoll an ihr herum kämme, sie massiere und sie trocken und warm "mache", auch wenn es ziept und zuppelt.



https://de.wikipedia.org/wiki/Suffragetten#/media/Datei:Feminist_Suffrage_Parade_in_New_York_City,_1912.jpeg


Gestern habe ich in der ARD-Mediathek einen Film über Suffragetten gesehen. Suffragette – Taten statt Worte (Originaltitel: Suffragette) aus dem Jahr 2015. Ein bedrückender Film, ein echtes Drama. Unter welchen Bedingungen (Arbeiter)Frauen gelitten haben und wie sehr sie für ihr Wahlrecht gekämpft haben (im Film wird die Zeit um 1912 thematisiert). Der Druck, dem sie seitens der Obrigkeiten, der Nachbarn, ihrer Familien und ihrer Ehemänner ausgesetzt waren, war gewaltig. Ich ziehe meinen Hut vor deren Mut und fühle mich dabei relativ unbedeutend. Diese Frauen haben für Frauen und deren Rechte gekämpft. Ihr Los konnten viele nicht verbessern aber ihre Töchter sollten es besser haben. Sie verfassten Petitionen, forderten gleichen Lohn für gleiche Arbeit und ein gleiches Ehe- und Scheidungsrecht für beide Geschlechter. 

 



Damit ziehe ich einen Bogen zu Virginia Woolf, über die und die Bloomsburry-Frauen ich in diesem Monat gelesen habe. Heute, am 25.Januar 1882 wurde Virginia Woolf in London geboren. Und ich bin erstaunt, das war vor 142 Jahren. Ihre Gedanken kommen mir vertraut vor, nicht viktorianisch oder verstaubt oder gar krank. Victoria war eine bedeutende Schriftstellerin der Moderne, deren Essay „A Room of One´s Own“ (Ein Zimmer für sich alleine) in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts (wieder durch die Frauenbewegung)  erneut entdeckt wurde. 

Sie hat (erst) 1929 in diesem Essay gefordert, dass jede Frau ein eigenes Zimmer haben solle (um zu schreiben oder zu malen oder oder…) und eigenes Geld in Höhe von 500 Pfund jährlich. (Das wären heute so um die 20.000 Euro.) Und ich frage mich, ob wir uns würdig erweisen, unseren Vorfrauen gegenüber … ihren Gedanken, Wünschen und Vorstellungen.


Frauenthema und Frauenbildung

und Frauenarmut und Frauengesundheit

und Frauenbildung und Frauenarmut

und Frauenleben und  Frauengesundheit


 sind so große Themen. Manchmal scheinen sie sich zurückzuziehen aber dann sind sie wieder sehr präsent und fordern Beachtung.

Um noch einen Gedanken  zu Victoria Woolf auszuführen. Sie wuchs in einem großbürgerlichen und gebildeten Elternhaus auf und doch war es ihr verwehrt, eine Schule zu besuchen, zu studieren. Für ihre Brüder war dies eine Selbstverständlichkeit. Sie hat Zeit ihres Lebens darunter gelitten, dass es der "Zeitgeist" einfach vorgab, dass Frauen keine Rolle im männlich dominierten Bildungssystem zu spielen hatten. 

Es steht außer Frage, dass Virginia in und durch ihr Schreiben, ihren persönlichen Weg gesucht hat. Ob sie ihn gefunden hat, vermag ich nicht zu beurteilen, auch wenn dies im Äußeren der Fall zu sein scheint. Es gab schon damals so viele Wege, auf denen Frauen wirken wollten und konnten. Ihre Biographen schreiben über die Qualen unter denen Virginia litt, den Dämonen denen sie sich stellte und - davon bin ich überzeugt - sie haben reifen lassen. 



März 15, 2023

 



Man muß den Dingen

Man muss den Dingen

die eigene, stille, ungestörte

Entwicklung lassen, 

die tief von innen kommt, 

und durch nichts gedrängt oder

beschleunigt werden kann;

alles ist austragen - 

und dann Gebären…


(Rainer Maria Rilke)