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Juli 08, 2015

Gente di Mare



"Leute des Meeres" nenne ich die Collage, die während der heißen Tage entstanden ist. Geheimnisvolle Wesen, die ihre Flossen an die Hauswand gelehnt haben.

Es ist eine kurze Stippvisite beim Volk der Zweibeine.

Schweigend, sprachlos, zu sehen, ob es Neues gibt ...


ob die Rosen noch blühen ...


ob neue Wichtel eingezogen sind ...


"Gente di Mare" lieben Gedichte und schmökern gerne ein wenig hier und da. Finden eines von Eva Strittmatter heute besonders schön:

Sprachlos

Erst kennt man sich mit den Worten nicht aus
Und später nicht mehr mit dem Leben.
Noch immer ist es das selbe Haus.
Doch nun sieht man den Abgrund daneben.

Also wie sich halten? Von Tag zu Tag
Seine Pflicht tun. Doch was ist die Pflicht?
Wir sind nicht mehr sicher. Wir urteilen zag.
Und was kommt, das wissen wir nicht.

Von Altersweisheit keine Spur.
Der Sinn ist nicht zu verstehen.
Eine kleine Güte. Ein Lächeln nur.
Und einfach weitergehen.


(Eva Strittmatter, Liebe und Haß. Die geheimen Gedichte)
* * * * *
Ich wünsche Euch gütige Tage, und Lächeln, das die Tage schön macht.
Eure Erika



November 16, 2014

Novembergedanken

sind in diesen Tagen solche, die sich mit
Loslassen und Abschiednehmen beschäftigen.
Sich zu schaffen machen an dem, was zu Ende geht. 
Raum schaffen für das, was neu kommen will - und wird.


Von Eva Strittmatter bewegt mich:


Morgens Abends

Eines Morgens siehst du: aus der Schonung wurde

 ein Wald.

Eines Abends begreifst du: diesen Sommer wurdest

 du alt.

Dem Juniende sind schon Spuren vom Herbst

 beigemischt.

Die langen langen Regen haben die Zeiten verwischt.
Die roten Rosen weinen und welken ohne Duft.
Würde die Sonne scheinen, röteten sie die Luft.
Eines Morgens siehst du das erste gilbende Blatt.
Eines Abends begreifst du, dass einer dich nicht 

geliebt hat.

Deine nässekalten Hände halten einander fest.
Niemals ist alles zu Ende, immer bleibt noch ein Rest,
Eine Rose nach dem Regen und manchmal nach 

dem Schnee.

Man muss sich weiterbewegen, das ist, was ich versteh.
Eines Morgens siehst du, der Himmel ist blau über dir.
Eines Abends begreifst du, was das heißt, du bist 

noch hier.



* * * * * 

Die, die Ihr noch hier seid, seid bedankt für Eure Geduld und Eure Freude an den Worten dieser wunderbaren Lyrikerin. Seid herzlich gegrüßt in die Novembernacht hinein und 

habt es fein!

Eure Erika



Juni 19, 2014

Draußen und in meinem Art Journal

ist es sommerlich bunt.


Es begann, winterweiß,



wurde mit Aquarellfarben zum Frühsommer -


und ist gedacht für den Mustermittwoch bei Müllerin Art

* * * * *

Als der Staudenmohn blühte, hat er mich mit seinen schönen 
Rottönen erfreut,


die ich im Journal festgehalten habe. 
Der Hintergrund in "rosa-rot" ist aus den Blütenblättern des Mohns gewonnen. William Morris hat mit Mohn wunderbare Muster gezaubert.


* * * * *

Weiter experimentiere ich an einem Wollbild mit Pflanzenteilen 


für das ich Farbmuster gelegt habe.


Diese Seite habe ich mit den Blütenblättern einer Taglilie eingefärbt.


Entspanntes sommerliches Leben genießen, ist das Schönste in diesen Tagen. Ein wenig hiervon, etwas davon - so kann es bleiben. Und zu solchen Zeiten passt immer etwas Lyrik. Heute von Eva Strittmatter:


Farbenzeiten

O Farbenzeiten. Blaue Zeit.
Blau war die Kindheit. Eine Weile.
Nun wächst in mir die weiße Zeit.
Die ich mit Mond und Wermut teile. 

* * * * *

Seid herzlich gegrüßt in allen Farben, besonders aber in bunt !

Eure Erika

Juni 03, 2014

Hin und her gerissen

bin ich,
wenn ich durch den Garten gehe und die Blüten sehe,
auf die ich im Winter so sehr gehofft habe.



 Schon wieder im Verblühen begriffen, erzählen sie mir von Abschied und Veränderung. Und ich komme nicht umhin, Vergleiche zu ziehen.


Zwischen der Rose und mir. Und lese mit leisem Wohlbehagen, dass ich mit diesen Gedanken nicht alleine bin.



Hinundher

Ich möchte gern älter werden.
(In Wahrheit will ich es nicht)
Ich möchte gern weise werden.
(Dann leidet mein Gesicht)
Ich möchte mich nicht mehr verlieben.
(Aber Liebe ist schön)
Ich hätte gern besser geschrieben.
(Das hieße von mir absehn)
Ich bin hin und her gerissen.
(Nicht mehr jung und noch nicht alt)
Was nützen mir Weisheit und Wissen.
(Bei Mondschein verloren im Wald)

(Eva Strittmatter,  Die geheimen Gedichte)


Gehe zur Pforte und sehe den Sanddorn, der die alte Ulme erobert.
Als gäbe es kein Morgen. Keinen Winter.


Weiter zu den Rosen, die treue Gefährten bewachen ...


und entscheide mich für die Freiheit der Wahl. 
Für ein Gedicht Eva Strittmatters, das in mir klingt.


Freiheit

Ich kann dich lieben oder hassen-
ganz wie du willst. (Kann dich auch lassen.)
Und du kannst schweigen oder sprechen.
Ganz wie du willst. Daran zerbrechen
werd ich nicht mehr. (Ich kann auch gehn.)
Ganz wie ich will, wird es geschehen.

(Eva Strittmatter)



So schön und so wahr. 
Ganz wie ich will, wird es geschehen. Daran werde ich denken. 
Morgen, wenn ich wieder zu den Rosen gehe.

***

Gute Nacht.
Schlaft schön und träumt süß.

Eure Erika