| Quelle: Wikipedia |
Sicher kennen das viele Leserinnen und Leser: Man besucht
Webseiten und Blogs, liest etwas - und ist fasziniert. So ging es mir heute
wieder. Ich las über die US-amerikanische Psychotherapeutin Virginia Satir
(1916-1988) und möchte einen kleinen Eindruck aus ihrem Schaffen beleuchten.
Satir war Psychotherapeutin und eine
bedeutende Familientherapeutin. Ihr Wirken war vielfältig und zunächst auf die
Eltern-Kind-Beratung fokussiert. Ihre Ausbildung im Rahmen der Psychoanalyse
öffnete ihr neue Wege in ihrer Arbeit und sie begann, nicht nur die Einzelne, den
Einzelnen, sondern die ganze Familie in ihre Therapie einzubeziehen.
Was uns heute selbstverständlich erscheint, das Wissen, wie
prägend das Umfeld eines Menschen ist, wie stark wir durch Familienkonstellationen
beeinflusst werden und daraus Verhalten entwickeln, wurde durch ihre Arbeit einem
breiten Publikum sichtbar. Ein Thema, das auch mir „am Herzen liegt“ sind generationenübergreifende
Muster, und Probleme innerhalb der Familiendynamik. Virginia Satir hat es sich
zur Aufgabe gemacht, diese Bereiche des Lebens zu erforschen und zu
therapieren.
Sie war davon überzeugt, dass jeder Mensch die Freiheit und
die Fähigkeiten in sich trägt, um sein Leben aus sich selbst heraus positiv zu
verändern. Ihr Schlüssel dazu: Das eigenständig motivierte Bewusstmachen verborgener Ressourcen und
Möglichkeiten. Unabdingbar auf diesem Weg war nach ihrer Meinung ein stabiler
Selbstwert - und den galt und gilt es zu fördern.
Satir war davon überzeugt, dass das Recht auf Freiheit und
das Recht, das eigene Leben zufrieden und erfüllend zu gestalten, die Welt zu
einem besseren, menschenfreundlichem Ort machen würde.
„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, dass ich von
jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu
werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu
hören, zu verstehen und zu berühren.“ Virginia Satir
Um unsere Ressourcen und Möglichkeiten auszuschöpfen, postulierte sie die sogenannten „Fünf Freiheiten“. Es ist ein Konzept und Manifest für die persönliche Selbstbestimmung, das Bewusstmachen emotionaler Prozesse und die damit einhergehende eigenverantwortliche, persönliche Entwicklung.
Die fünf Freiheiten nach Virginia Satir lauten im Einzelnen:
Die Freiheit zu sehen und zu hören, was ist: Die Dinge in der Gegenwart, im Moment wahrnehmen, wie sie wirklich sind, anstatt sich mit dem zu beschäftigen, was sein sollte, gewesen ist oder sein könnte.
Die Freiheit auszusprechen, was man fühlt und denkt: Die eigenen Gedanken und Gefühle ehrlich äußern, statt Rollenerwartungen zu erfüllen oder zu sagen, was „man“ sagen sollte oder erwartet wird.
Die Freiheit zu den eigenen Gefühlen zu stehen: Das zu empfinden, was man tatsächlich fühlt, anstatt sich von äußeren Einflüssen beeinflussen zu lassen, z.B. welche Gefühle „richtig“ oder „erwünscht“ sind.
Die Freiheit um das zu bitten, was man braucht: Eigene Bedürfnisse aktiv kommunizieren, anstatt im Stillen zu warten - oder auf eine (vermeintliche) Erlaubnis von außen zu hoffen.
Die Freiheit, in eigener Verantwortung Risiken einzugehen: Selbstbestimmt handeln und für die Konsequenzen geradestehen, anstatt nur auf Nummer sicher zu gehen und dadurch die eigene Entwicklung hemmen.
Satir fokussierte sich nicht auf menschliche Defizite, sondern wie oben geschrieben darauf, die Ressourcen und Fähigkeiten des Menschen zu aktivieren. Es ist ein sympathischer Ansatz, der mit Wertschätzung und positiven Aspekten arbeitet.
Spiritualität - ein wesentliches Element ihrer
Arbeit - spielt eine große Rolle, die gemeinsam mit Wertschätzung und
Meditation gelebt wird. Vervollständigt wird ihr Ansatz durch die Arbeit mit
Skulpturen, die im Rahmen der Familienarbeit aber auch in Ausbildungsgruppen
zum Einsatz kamen. Dieses und die Kommunikation innerhalb einer Familie bildeten
eine breite Basis für ihre psychotherapeutische Arbeit. Es ist ein weites Feld,
über das ich im nächsten Artikel schreiben möchte.

