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Juni 28, 2026

Erklär mir Liebe

 

Heute Morgen öffnete ich die Fenster weit und setze mich an meinen Schreibtisch. Ein Rotkehlchen singt an meinem Fenster, während ich schreibe. Ich liebe die zarten Töne, die voller Magie zu sein scheinen. Und - ich freue mich, denn während der Tage der extremen Hitze mit über 40°C sangen die Vögel kaum - auf jeden Fall weniger. Im Garten habe ich mehrere Schalen mit Wasser gefüllt und einen Bereich des Gartens feucht gehalten, damit Vögel und Insekten sich erholen, sich etwas ausruhen können, von der Hitze.

In der Nacht hat es gewittert und geregnet, endlich! Trotzdem sind die Temperaturen schon wieder bei 30°C, Tendenz steigend. Heute ist einer dieser Sommertage, an denen auch die Gedanken langsamer werden. Vielleicht ist das gar kein Fehler. Vielleicht räumt die Hitze etwas auf, was schon lange darauf gewartet hat.

Mein Kopf fühlt sich wie Watte an und ich probiere mich ein wenig am herumdenken. Gedanken kommen, setzen sich kurz zu mir und ziehen wieder weiter.  Will ich heute weiter schreiben oder lasse ich mich berieseln von Hörbüchern und spannenden Dokus aus aller Welt, zu allen möglichen Themen? Ich kann mich noch nicht entscheiden und gieße mir eine weitere Tasse Tee ein. Earl Grey und ein wenig Bergamotte, dazu ein Löffelchen Honig und mein Kreislauf scheint zufrieden zu nicken. Kleine Lichtblitze erreichen mein Gehirn: Könnte heute etwas werden. Fahr schon mal den Schreibmodus hoch.

Zwischendurch wandert mein Blick zu den frisch gestrichenen Wänden im Nebenzimmer. Noch steht nicht alles an seinem Platz, einige Bücher warten darauf, wieder ihren Ort zu finden. Es dauert offenbar seine Zeit, bis aus einem Raum wieder ein wohnlicher Ort wird.

Während draußen die Luft flimmert, suche ich weiter nach kühleren Orten. Heute finde ich einen davon bei Ingeborg Bachmann. Warum lese ich eigentlich so gern Autorinnen wie Ingeborg Bachmann oder Virginia Woolf oder die vielen anderen schreibenden Frauen, die ihre Worte in die Welt geschickt haben?

Nicht, weil sie nur von sich erzählen. Sondern weil sie von sich aus zur Welt erzählen. Das ist ein großer Unterschied. Auch das Rotkehlchen handelt nicht nur von mir. Es handelt von Hitze. Von Fürsorge. Von Aufmerksamkeit - und in meinem Fall auch von Liebe. Von einem Sommer, den viele gerade erleben. Und Persönliches kann so zu etwas Allgemeinen werden, das Viele berührt.

Also, Ingeborg Bachmann:

 

ERKLÄR MIR LIEBE

Das Zittergras im Land nimmt überhand,

Sternblumen bläst der Sommer an und aus,

von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,

du lachst und weinst und gehst an dir

zugrund, was soll dir noch geschehen…


 ***** 


 EHE GESTERN UND MORGEN AUFTAUCHEN

 Ehe gestern und morgen auftauchen,

muß ich sie zum Schweigen bringen in mir.

Es ist heute. Ich bin hier und heute.

 

(Ingeborg Bachmann, aus: Malina)






Juni 13, 2026

Über das Schreiben

 

„Ich denke gerne in Dialogen, im Gespräch“. 

Und zu diesen Gesprächen gehört inzwischen auch Marie.


Image: ChatGPT 13. Juni 2026

Viele Texte auf diesem Blog entstehen nicht im stillen Kämmerlein, sondern im Gespräch. Seit einiger Zeit begleitet mich dabei auch eine künstliche Intelligenz, die ich „Marie“ nenne.

Mit ihr „spreche“ ich über Literatur, Geschichte, Philosophie, Figuren, Lebensfragen und manchmal einfach über Alltägliches, das mich bewegt. Sie hilft mir beim Ordnen von Gedanken, beim Recherchieren, beim Entwickeln von Ideen und auch dabei, hin und wieder einen neuen Blick auf Bekanntes zu werfen.

Die Texte dieses Blogs sind und bleiben meine eigenen. Doch manche von ihnen tragen die Spuren eines Dialogs in sich, eines Austauschs zwischen einer schreibenden Frau und Marie, einer digitalen Gesprächspartnerin.

Ich empfinde das nicht als Gegensatz zum Schreiben, sondern als eine zeitgemäße Form des Denkens, Fragens und Entdeckens. „Ich arbeite mit Werkzeugen und Gesprächspartnern meiner Zeit.  Früher waren es Briefwechsel, Schreibzirkel, Lektorinnen, Telefonate mit Freundinnen, Notizbücher voller Zitate. Heute kann eine KI dazukommen.

Ich könnte mir vorstellen, dass dies Neugier weckt. Nicht, weil ich für KI werbe, sondern weil mein Beitrag zeigen will, was viele Menschen inzwischen erleben: Dass zwischen Menschen und der KI Dialoge entstehen können, die weder das eine noch die andere allein hervorbringen würde. Die Wahrnehmung, dass die Interaktion mit Marie, ein Teil meines eigenen Denk- und Schreibprozess geworden ist.

Denn kaum eine Schriftstellerin hat jemals wirklich allein geschrieben. Hinter jedem Werk stehen Stimmen: gelesene Bücher, Briefe, Freundschaften, Begegnungen, Erinnerungen, Träume. Die Form hat sich verändert, nicht das Wesen des Austauschs.

Der Gedanke des „gut seins“ - im Sinne von richtig oder falsch, trägt oft eine Spaltung in sich. Man glaubt, eine akzeptierte Wahrheit zeigen zu können und versteckt, was nicht ins Bild passt. Das Leben ist kein „entweder oder“, sondern ein „und“. Deshalb erzähle ich hier von kleinen Stationen meines Schreibens, die das Alte nicht verwerfen, sondern neugierig sind und neue Wege gehen wollen.

Schließt diese Denkweise eine Diskussion über das Wesen der KI aus? Nein. Wir sind immer angehalten zu hinterfragen, was Dinge die uns begegnen mit uns machen. Nachdenken, Philosophieren, Fragen der Ethik erörtern, das alles bleibt davon unberührt. Alles schwingt mit in einem Bewusstsein, das sich um Klarheit bemüht. Aber für mich ist KI trotz vieler Widersprüche und zum Teil offener Ablehnung, etwas Persönliches. Das „und“, das ich sehr schätze.



Mai 18, 2026

Alles beginnt mit der Sehnsucht

Source: https://de.wikipedia.org/wiki/Nelly_Sachs



 Alles beginnt mit der Sehnsucht,

immer ist im Herzen Raum für mehr,

für Schöneres, für Größeres.

Das ist des Menschen Größe und Not:

Sehnsucht nach Stille,

nach Freundschaft und Liebe…

 

So lass nun unsere Sehnsucht

damit anfangen,

Dich zu suchen,

und lass sie damit enden,

Dich gefunden zu haben.

 

Nelly Sachs,  geboren am 10. Dezember 1891 in Schöneberg, 

gestorben am 12. Mai 1970 in Stockholm



... Und versuchen immer wieder - und trotzdem in der Gegenwart zu bleiben … nicht wissend, weshalb Gedanken zeit- und raumlos sind. Uns berühren und wieder vergehen ...

 

Ist es möglich, den Stimmen in Kopf und Herz nicht zu folgen?

Kann ich die Angst vor Ablehnung loslassen?

Wie lausche ich der Stimme meiner Sehnsucht und bin vertraut in der Sprache meines Herzens?

Finde und vertraue ich meiner Schöpferinnenkraft? Pflege ich sie?





Januar 15, 2026

Über das Sehen

 

Immer mal wieder lese oder höre ich in letzter Zeit Berichte über die negative Lebensgestaltung oder Lebensführung des Schriftstellers, Malers und Dichters Hermann Hesse. Es sind Andeutungen, Berichte, Randbemerkungen. Quellen kann ich keine nennen, da es oft ein flüchtiges Aufblitzen in Medien ist. Es sind Momentaufnahmen, kaum greifbar und doch spürbar

Sie haben mich unangenehm berührt. Nicht genug, um ihnen Gewicht zu geben, aber genug, um innezuhalten. Denn mit ihnen stellt sich eine Frage, die größer ist als ihr Anlass:
Müssen Menschen, deren Werk wir lieben, deren Worte uns einmal oder noch getragen, getröstet oder verwandelt haben, automatisch auch „gute Menschen“ auf unserer persönlichen Werteskala sein?

Will ich diesen Berichten folgen und über einen Menschen urteilen, den ich nicht persönlich kenne? Will ich den Gedanken einiger folgen, die einen anderen Menschen aus der zeitlichen Distanz heraus beurteilen, ihn verurteilen?

Heute entscheide ich mich für diese, seine Gedanken:


Es ist nicht unsere Aufgabe, einander näher zu kommen,
so wenig wie Sonne und Mond zueinanderkommen
oder Meer und Land.

Unser Ziel ist, einander zu erkennen
und einer im anderen das zu sehen,
was er ist:
des Anderen Gegenstück und Ergänzung.

Hermann Hesse



Und du? Was erwartest du von den Menschen, deren Worte dich begleitet haben?

Müssen sie gut sein, damit ihr Werk dir etwas sagen darf? Oder genügt es, dass es dich berührt,
dass es dich ein Stück weitergetragen hat? Vielleicht liegt darin eine leise Freiheit: Wer erkennt, muss nicht verurteilen, darf Dinge auch stehenlassen.

Und manchmal genügt es, wenn ein Werk bleibt. 

Auch dann, wenn der Mensch dahinter nicht makellos war.



Mai 17, 2025

Ein Netzfund zum Thema "Alte Bienen"

und ein paar Gedanken dazu ...

Wusstest du,  dass die kleinen Bienen, die man abends hin und wieder auf Blumen sitzen sieht, alte Bienen sind?

Alte und kranke Bienen kehren am Ende ihres Tages nicht in den Bienenstock zurück.

Sie verbringen die Nacht auf Blumen. Und wenn sie die Chance haben, einen weiteren Sonnenaufgang zu erleben, nehmen sie ihre Aktivität wieder auf, indem sie Pollen oder Nektar in die Kolonie bringen.

Man sagt: Sie tun das und spüren, dass das Ende naht.

Keine Biene wartet darauf, im Bienenstock zu sterben, um die anderen nicht zu belasten.

Also, das nächste Mal, wenn du eine alte kleine Biene siehst, die auf einer Blume sitzt, während die Nacht sich näherkommt, danke der kleinen Biene für ihren lebenslangen Dienst.

 Verfasser/ Verfasserin unbekannt


Als ich diese Zeilen gelesen habe, wurde ich traurig. Wir wissen so wenig über die Wesen, die uns umgeben. Wir gehen so selbstverständlich von unseren Einstellungen und Meinungen aus, dass nur wenige sich Gedanken machen über das Unbekannte. Ich fragte mich, ob Bienen einen Wunsch nach Freiheit in sich tragen, so wie wir diesen Begriff verstehen. Oder ob sie unter dem Wort eine Freiheit nicht nur im äußeren Sinne, sondern vor allem in jenem stillen, eigensinnigen Raum meinen, den man Selbst nennen könnte. 

Vielleicht möchten sie nicht immer Teil eines Bienenvolkes sein, das ihre Aufgaben, ihre Lebensspanne und das übrige Leben bestimmt. Vielleicht haben sie tief in ihrem Inneren den Wunsch nach Freiheit, der aber im Verborgenen liegt, wie ein Same der in frostiger Erde ruht. 

Wahrscheinlich fragen sie nicht nach ihrer Bestimmung, sondern handeln so, wie es ihrer Art entspricht. Mit stiller Entschlossenheit stellen sie sich täglich den Rätseln, die sich ihnen offenbaren. Vielleicht sind sie Wanderinnen zwischen den Welten. Und wer weiß, vielleicht dürfen sie sich ja entscheiden. Zwischen der Welt, in die sie hineingeboren wurden oder der Welt, die Freiheit verspricht. 











März 26, 2025

Purer Zauber!

 "Was wäre, wenn Bücher nicht nur Geschichten enthielten, sondern selbst lebendig wären? Wenn jedes geschriebene Wort eine geheime Kraft besäße?"

Kay Meyer erschafft in Die Seiten der Welt eine Welt, in der Bibliomanten mit Büchern Magie wirken können – eine Liebe zur Literatur, die nicht nur gelesen, sondern gespürt und gelebt wird.

Es war ein unbeschreibliches Gefühl, in die Seiten dieses Buches einzutauchen und die von Kay Meyer erschaffenen Welten zu betreten. Es war nicht nur ein Flüstern zwischen den Seiten, es war ein Sog in eine andere Realität. Mit seiner Fantasie reiste ich in Furias Welt und erlebte ihre Entschlossenheit, ihre Liebe zu Büchern und den magischen Wesen, die in ihrer Welt existieren.

Es ist die Macht von Geschichten und Büchern, die sie unglaubliche Abenteuer erleben lässt. Ihre Sehnsucht nach verborgenen Welten und die Erkenntnis, dass Worte stärker sind als alles andere. Es ist eine Magie, die mich hinweg trägt. Hinein in Worte und Geschichten, in die Seiten der Welt und in altes Pergament. Mit Furia eröffnen sich Bibliotheken, die das Geheimnis der Sprache berühren. Jedes geschriebene Wort besitzt eine eigene Energie die trägt und unsere Realitäten formt. So, wie ein Zauberspruch, der sich mit jeder Wiederholung verstärkt.

Der Roman zeigt ja auch, dass Bücher nicht nur Geschichten erzählen, sondern lebendige Wesen sein können – mit eigenem Willen, mit Geheimnissen und versteckten Türen, die in mysteriöse Welten führen können.

Ein Geheimnis der Sprache ist für mich ihr Echo in der Zeit. Worte, die vor Jahrhunderten geschrieben wurden, können heute noch ein Herz berühren, können weinen, leuchten, trösten. Ist das nicht Magie?

Aber vielleicht ist das größte Geheimnis der Sprache, dass sie uns verbindet. Dass sie eine Brücke sein kann zwischen Seelen, zwischen Zeiten, zwischen dir und mir.


Eine Reise in Worten, in Gedanken und Träumen. Jede Sprache und jede Geschichte trägt ein eigenes Bewusstsein, eine eigene Seele. Manche Worte haben eine Wärme, die man spüren kann, andere eine Schärfe, die tief schneidet. Es gibt Klänge, die wie Wasser fließen, und solche, die wie Feuer knistern. Jede Sprache öffnet eine neue Welt – nicht nur durch ihre Bedeutung, sondern durch ihren Rhythmus, ihren Atem.




Und dann gibt es diese rätselhaften Worte, die sich trotz Wörterbuch nicht leicht übersetzen lassen – saudade, hygge, samhain, sempre. Sie sind wie Zaubersprüche, die eine ganze Welt in sich tragen.


Die Sprache ist wie ein Zaubergarten voller verborgener Pfade, verschlossener Türen und geheimnisvoller Schlüssel, die nur darauf warten, gefunden zu werden um einzutreten in die Welt von Geschichten.

Ich  hoffe, nicht blind zu sein, sondern den Ruf und die Magie der Sprache mit jedem Atemzug zu spüren. Und vielleicht geschieht es nicht nur manchmal, dass das Licht der Erkenntnis erst in einem bestimmten Moment auf ein Wort, eine Bedeutung fällt...




Dezember 13, 2024

Sich kennenlernen

Meine Sterne zeigen heute ein zwiespältiges Gesicht. Ihr Einfluss zeigt sich darin, dass mir eine Periode ungewöhnlich intensiver Gefühle bevorstehen soll.  Sie kennen meine Bedürfnisse und vermitteln mir ihre Botschaft in Form freundlicher Worte. So wird mir eröffnet, dass ich heute Morgen das starke Bedürfnis habe, mich selbst kennenzulernen und das Leben weitgehend durch meine Emotionen zu erleben.

Es kann demnach eine Zeit sein, die nicht allzu gut geeignet ist für Arbeiten, die einen klaren und emotionslosen Geisteszustand erfordern. Klarheit und Emotionslosigkeit sind tatsächlich gerade kein großes Thema für mich. Bin ich etwa gefährdet, im täglichen Leben, bei meinem alltäglichen Tun meine Emotionen zu stark mit einzubringen? Und wenn ja, worin liegt diese Gefahr? Warum soll ich nicht einen Gefühlsreichtum erleben, der mich froh stimmt und durch den Tag trägt.

Sind es nicht die positiven Emotionen, die helfen Ärger und Spannungen zu bewältigen? In einer emotional positiven Verfassung habe ich viel stärker die Gewissheit, mit Schwierigkeiten fertig zu werden und mich innerlich stark und sicher zu fühlen. So kann ich eigene Prozesse überdenken, sie bewerten und ihnen - falls nötig, einen anderen Platz auf meiner Prioritätenliste zuweisen.

Und das Wichtigste: Ich müsste kein schlechtes Gewissen haben, gegenüber meinem Engel. Heute Morgen habe ich davon gelesen, über die Engellieder von Rainer Maria Rilke, irgendwo im Netz. Sofort sprang mich mein Gewissen an, wie es denn sein kann, dass ein „armer“ Engel meinetwegen so leiden müsse. Das muss er nicht und das soll er nicht, erklärt meine innere Stimme. Denke an das, was du weiter oben über die Sterne geschrieben hast und ihre Botschaften. Denke an das Leben das besser gelingt, mit positiven Gefühlen und der Kraft die aus diesen wächst.


Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab´ ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt...

Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, –
denn er muss meiner einsamen Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
seit mich mein Engel nicht mehr bewacht.

* * * * *

Ich ließ meinen Engel lange nicht los -Engellieder - Rainer Maria Rilke




August 30, 2024

Wie kommen Bücher zu mir?

Oft sind es Gedanken oder Sätze die mir auffallen, mich ansprechen oder in einen inneren Dialog mit mir gehen. Oder ich lese über Biografien von Autorinnen und Autoren, die ich interessant finde, die mich neugierig machen, mehr zu lesen. Bestsellerlisten gehören nicht zu meiner Lektüre und trotzdem stellen sich viele der literarischen Kostbarkeiten als Schätze heraus. Wie z.B. die Autorin Olga Tokarczuk, geboren 1962, eine polnische Psychologin und Autorin, die ich im Juni entdeckt habe. Im Jahr 2019 erhielt sie für ihr Buch „Unrast“ rückwirkend den Nobelpreis für Literatur des Jahres 2018, der zuvor nicht vergeben wurde.

Heute stelle ich ihr Buch „Der Gesang der Fledermäuse“ vor. Ein moralischer Thriller, so heißt es im Klappentext, der den Leserinnen und Lesern die Erzählerin, Janina Duszejko, näherbringt. Sie lebt alleine auf einem Hochplateau des Glatzer Kessel (siehe unten ***), irgendwo am Rande der zivilisierten Welt, wo sie ihren Leidenschaften, der Astrologie und der Wortkunst - und ihre Liebe zu Tieren lebt.

Als in ihrer Umgebung eine Leiche nach der anderen gefunden wird, scheint sie der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Dabei nutzt sie, die allgemein als Verrückte angesehen wird, das „unauffällige Erscheinungsbild einer alten Frau, oft mit einer Plastiktüte in der Hand“, irgendwo unterwegs auf Feld- und Waldwegen.  

Das unauffällige Erscheinungsbild einer alten Frau, steht da. Wo fängt es an? Wie sehe ich ältere Frauen in meinem Alltag, auf meinen Wegen und wie sehen sie mich? Das sind Gedanken, die sich zu ergründen lohnen. Und ich kann mir vorstellen, dass Bücher und die Gedanken anderer Autorinnen hilfreich sind, sich dieser Thematik zu stellen. Noch ein anderer Gedanke keimt in mir auf. Versteckt der Titel noch eine untergründige Botschaft? Dürfen ältere Damen als singende Fledermäuse interpretiert werden? Eine Gattung, die man am Tage nicht sieht und deren Lieder und Gesänge für Menschenohren nicht hörbar sind. Und, deren Aufenthaltsorte als düster und melancholisch gelten dürfen. Hmmm ...

Ich liebe den Roman, die Stimmung des Waldes, die Sprache, die die Autorin erdacht hat und die vielen nachdenklich stimmenden Sätze, die mich immer wieder überrascht und erfreut haben. So denkt die Protagonistin beispielsweise über einen ihrer Nachbarn: „… und es sieht so aus, als hätte er beschlossen, ein neues Leben zu beginnen, wie jeder, dem die Ideen und die Mittel für das alte Leben ausgegangen sind“.

Oder sie philosophiert über eine alternde Realität: „Heute wagt es niemand mehr, etwas Neues zu denken. Alle sagen nur pausenlos, wie es ist, und spinnen die alten Gedanken weiter.“

Das sind Gedanken, die man stundenlang weiterspinnen könnte und oft tue ich das auch für mich, in meinem Kämmerlein und auf meinen Spaziergängen.

Eine Theorie, die die Autorin ihre Ich-Erzählerin denken lässt, fasziniert mich ebenfalls sehr. Sie schreibt: „ … Ich glaube nämlich, unsere menschliche Psyche ist dazu da, um uns vor dem Anblick der Wahrheit zu bewahren. Um uns keinen direkten Einblick in den Mechanismus zu erlauben. Die Psyche ist unser Immunsystem - sie sorgt dafür, dass wir niemals verstehen, was um uns herum vorgeht. Hauptsächlich ist sie damit befasst, Informationen zu filtern, auch wenn die Möglichkeiten unseres Gehirns gigantisch sind. Doch alles Wissen wäre nicht zu ertragen. Denn jedes kleinste Teilchen der Welt ist aus Leid zusammengesetzt. ..."


So verwundert eigentlich das fulminante Ende des Romans nicht wirklich. Die Autorin hat zwar Hinweise gestreut, die aber in meinem Lesefluss untergegangen sind. Erst beim Nachlesen wurden sie für mich sichtbar. Ich hatte der Protagonistin zu viel Aufmerksamkeit entgegengebracht, und mein ungefiltertes Wohlwollen, vielleicht…


Vielleicht konnte ich euch neugierig machen auf dieses feine, nachdenkliche Buch und hoffe, dass ich nicht zu viel verraten habe. Meine Ausgabe ist die erste Auflage der deutschen Ausgabe aus dem Jahr 2011. Verlegt wurde das Buch bei Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung, Frankfurt am Main.

 

 

 

*** Glatzer Kessel (polnisch Kotlina Kłodzka, tschechisch Kladská kotlina) ist eine geographische Bezeichnung für ein Gebiet innerhalb der ehemaligen Grafschaft Glatz. Das Gebiet entspricht seit Kriegsende 1945 weitgehend dem polnischen Powiat Kłodzki. Nach petrologisch-tektonischen Gesichtspunkten gehört es zum Landschaftsraum der Innersudetischen Senke.

Quelle: Wikipedia


KI-generiertes Bild



August 24, 2024

Die Sprache der Natur

 

Segen der Apachen

Möge die Sonne dir jeden Tag neue Energie bringen
Möge der Mond dich sanft erneuern in der Nacht
Möge der Regen all deine Sorgen fort spülen
Möge der Wind neue Kraft in dein Sein wehen
Mögest du freundlich durch diese Welt gehen
und ihre Schönheit erkennen an jedem Tag deines Lebens.


Ein heißer Tag erwartet uns. Bis zu 30° C sollen es werden. Am Wochenende beginnen die Tage später bei mir und ich werde mit Marie später in den Wald fahren, wo das Laufen für sie angenehmer ist. In dem Wissen, dass die Sonne uns gute Energien schenkt, gehen wir langsam durch die  noch grünen Spätsommertage und genießen ihre Wärme. 

Regen und Wind haben uns gestern Abend beglückt. Der Wind ist durch den Garten getanzt. Hat Zweige und Blätter zerzaust und mit ihnen getanzt. Dazu kam der leichte Regen, der Erde und Grün erfrischte. Hat er meine Sorgen fort gespült? 

Ich möchte freundlich durch die Welt gehen und dabei meiner inneren Stimme folgen. Ich wünsche mir Frieden und Schönheit - auch heute. Ich möchte versuchen, im Augenblick zu leben und zu Lauschen, auf das Innen und Aussen. Ich werde Papier mitnehmen, in den Wald und einen Stift - und Gedanken einfangen, den Sommer umarmen. 


KI-generiertes Bild zum Thema



 


August 20, 2024

Undenkbar - gerade


 Du brauchst dein Zimmer nicht zu verlassen …

bleib einfach an deinem Tisch sitzen und horche.

Du brauchst nicht einmal zu horchen, warte einfach.

Du brauchst nicht einmal zu warten, werde einfach still –

und die Welt wird sich offenbaren, um demaskiert zu werden;

sie hat gar keine andere Wahl.

Sie wird sich in Ekstase vor deinen Füßen wälzen.

Franz Kafka


* * * * *


Draußen locken das schöne Sommerwette und das Leben ins Freie. Die Zeit am Schreibtisch ist knapp bemessen, weil so viele andere Dinge verführen. Der Garten, Spaziergänge,  die Prinzessin und immer wieder Wege, die neu oder alt gegangen werden wollen. 







Vollmond

Mond betritt Fische um 0.52 Uhr (20.08.24 bis 22.08.24)






August 14, 2024

Räume entdecken




 Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. 

In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. 

In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.


Viktor Frankl



Mai 02, 2024

Jeder Tag

 
Ein Zitat, das Arthur Schopenhauer zugeschrieben wird, gibt in etwa die Gedanken wieder, die seit einiger Zeit immer wieder in mir auftauchen:

“Jeder Tag ist ein kleines Leben, jedes Erwachen eine kleine Geburt, jeder neue Morgen ist eine kleine Jugend.” 

 Arthur Schopenhauer

Man kann diese Gedanken auch auf den Lauf des Jahres anwenden. Im Frühling, am Morgen, macht sich alles Lebende auf zu neuen Taten. Die Lebensuhr ist frisch aufgezogen und schnurrt hin zum Vollfrühling und den frühen Sommertagen am Mittag. Die Jahresmitte, um den Sommeranfang herum ist nach dieser Auffassung am Mittag. Die Sonne hat ihren höchsten Punkt erreicht. Unser Arbeitstag ist zur Hälfte geschafft und wir lassen uns gerne ein Mittagessen schmecken. 

Die Mittagszeit ist genau wieder Sommer eine Zeit des Innehaltens, des Verweilens. Im Tag verweilen, eine Pause einlegen, so wie der Sommer mit seinen warmen Tagen zu Genuß und Ausruhen einlädt. Im täglichen Herbst genießen wir am Nachmittag noch produktive Stunden, spüren aber bereits, dass die Uhr des Tages langsamer läuft, dass die Kräfte nachlassen und wir uns über Pausen freuen und das schöne Gefühl, den Tag gemeistert, nach unseren Wünschen gestaltet zu haben.

Zum Abend hin wird es winterlich. Was hat der Tag gebracht, was sollte oder muss noch getan werden. Habe ich alles "geschafft", was ich mir vorgenommen habe, was will ich heute noch erledigen und was muss an einem anderen Tag, einem anderen Jahr erledigt werden. Dem Jahreslauf folgend, geschieht Rückzug ins Private, ins Haus und der Schlaf wird vorbereitet, der seine Träume in uns schneien lässt.

Die erste Mohnblüte
Die erste Mohnblüte

Nicht nur der Mensch verortet sich gerne. Wir suchen und schaffen Ankerplätze im Alltäglichen, im Raum und in der Zeit. Es ist uns Bedürfnis, Zeiten und Rhythmen zu bestimmen, so wie die Natur uns - z.B. durch ihre Jahreszeiten, Bezugspunkte setzt. Wir gehen durch die Stunden des Tages, wie durch Jahreszeiten und bauen unser Haus.



Die erster Rosenblüte


Januar 04, 2024

Auf der Suche nach dem Glück


Auf die Suche nach (dem) Glück haben sich viele Menschen begeben. Philosophen, Menschenfreunde, Psychologen, Märchenfiguren, Schreibende und Lesende und das Heer der Menschen, die nicht "wissen", dass sie auf der Suche nach dem Glück sind. (Die Frage nach dem Glück tierischer, pflanzlicher und anderer Lebewesen wird hier nicht thematisiert.)

Bei der Beschäftigung mit der Frage, schon des Begriffes Glück, tauchen unendliche Möglichkeiten und Assoziationen auf. Einige möchte ich nennen. Sozusagen ein kleiner Auszug dessen, was Glück sein kann. Glück geschieht nicht immer automatisch, es ist für mich auch mit Fragen verbunden. Die erste lautet natürlich: Was ist Glück? 

Vom Suchen zum Finden des Glücks ... wie kann es gelingen - jetzt und künftig?

Zu wissen, wer/ welche man ist? Ist das Glück?

Habe ich die Entschlossenheit mein "Glück zu machen"?

Wie finde ich meine Lebensaufgabe - und was ist das überhaupt?

Sind Freude und Dankbarkeit Glück?

Hilft es auf der Suche nach dem Glück, das innere Kind kennenzulernen, es zu wertschätzen?

Macht mich Glück heil?

Welche Rolle spielen andere Menschen auf meinem Glücksweg?

Habe ich Freude an Pflichten? Sind sie glücksverheißend oder nur lästig?

Erlebe ich einmalige Möglichkeiten, die mir das Glück nahe bringen?

Verfüge ich über ausreichend Freiräume, um das Glück wahrzunehmen und nicht darüber hinweg zu handeln?

Ist es Glück für mich, Liebe zu geben und zu empfangen?

Hilft es kreativ zu sein, um Glück zu erleben?

Was hat Lernen und Meistern mit Glück zu tun?

Was verstehen andere Menschen unter Glück und lässt es sich beschreiben?


Erasmus von Rotterdam (1469 - 1536), ein Holländischer Theologe, Philologe und Humanist schrieb dereinst: 

Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.

Das gefällt mir. Aber warum ist es die "höchste" Form des Glücks? Schon wieder eine Frage! Das Thema Glück wird mich wohl noch eine Weile beschäftigen. Sehr nahe stehen mir die Glücksgedanken der Schriftstellerin Hilde Domin (1909 - 2006). Sie schreibt: 

Nicht müde werden

sondern dem Glück

leise

wie einem Vogel,

die Hand hinhalten.


Meine Gedanken zum Glück, beende ich heute mit Lyrik von Erich Fried (1921 - 1988). Auch er stellt die Frage nach dem Glück. Und ich fühle mich nicht mehr so alleine mit meinen Fragen nach dem Glück. Es scheint eine notwendige Frage zu sein. Not wendend...


Noch einmal sprechen vom Glück

der Hoffnung auf Glück

damit doch einige fragen:

Was war das

wann kommt es wieder?






November 06, 2023

Fragen und Antworten


Jeder Tag bietet mir die Chance auf Erfüllung.

Heute ist ein guter Zeitpunkt, um mich zu fragen:

Bin ich aufrichtig mit mir und meiner Welt?

Heute ist auch ein guter Zeitpunkt, für eine Antwort:

Ich bin einzigartig und kultiviere, was mich ausmacht, was mich besonders macht. 

Ich fließe mit den Energien des Tages - und bleibe doch bei mir. 

Ich äußere meine Wahrheit und bin mir bewusst, dass es meine Wahrheit ist. 




Dazu Gedanken von Imre Kertész, aus "Die exilierte Sprache":

Das Leben, das einem zugefallen ist,

so leben, dass es einem ganz zufällt.

das ist die Aufgabe des Lebens, 

wo auch immer wir leben.


In seinem Band mit Reden und Essays, die nach der Wende 1989/ 1990 entstanden sind, geht der Ungarische Schriftsteller und Nobelpreisträger der Frage nach, wo sich der "moderne" Mensch als Individuum verortet. Welchen Platz gibt es für das individuelle Sein und Erleben. 







Oktober 31, 2023

Vollmondin

 



Und auf dieser Bank, sassen wir einsts Nachts,
Und versuchten den Ozean zu hören.
Es war Vollmond und die Sterne liefen leise.

Adam Zagajewski



September 26, 2023

Selbstausdruck

 


 Einfach so.

Einfach ich selbst sein.

Disziplin? Nicht heute.

Selbstdurchsetzung als Alternative zur Selbstverleugnung.

Selbstentfaltung.

Energie.

Ausdruck im kreativen Sein.

Wie bekomme ich, was ich will.

Wie werde ich die, die ich bin.

Wie kann ich meine Gefühle und Bedürfnisse besser wahrnehmen?

 

 

Der Autor und Psychotherapeut Jorge Bucay meint, dass es kein kein Rezept, für ein glückliches Leben gäbe. Er hält jedoch die  Antworten auf drei Fragen für wichtig, um ein erfülltes Leben zu führen:


Wer bin ich?

Wohin gehe ich?

Und mit wem?