Immer mal wieder lese oder höre
ich in letzter Zeit Berichte über die
negative Lebensgestaltung oder Lebensführung des Schriftstellers, Malers und
Dichters Hermann Hesse. Es sind Andeutungen, Berichte, Randbemerkungen. Quellen kann
ich keine nennen, da es oft ein flüchtiges Aufblitzen in Medien ist. Es sind
Momentaufnahmen, kaum greifbar und doch spürbar
Sie haben mich unangenehm berührt. Nicht genug, um ihnen
Gewicht zu geben, aber genug, um innezuhalten. Denn mit ihnen stellt sich eine
Frage, die größer ist als ihr Anlass:
Müssen Menschen, deren Werk wir lieben, deren Worte uns einmal oder noch getragen, getröstet
oder verwandelt haben, automatisch auch „gute Menschen“ auf unserer
persönlichen Werteskala sein?
Will ich diesen Berichten folgen und über einen Menschen
urteilen, den ich nicht persönlich kenne? Will ich den Gedanken einiger folgen,
die einen anderen Menschen aus der zeitlichen Distanz heraus beurteilen, ihn
verurteilen?
Heute entscheide ich mich für diese, seine Gedanken:
Es ist nicht unsere Aufgabe, einander näher zu kommen,
so wenig wie Sonne und Mond zueinanderkommen
oder Meer und Land.
Unser Ziel ist, einander zu erkennen
und einer im anderen das zu sehen,
was er ist:
des Anderen Gegenstück und Ergänzung.
Hermann Hesse
Und du? Was erwartest du von den Menschen, deren Worte dich
begleitet haben?
Müssen sie gut sein, damit ihr Werk dir etwas sagen darf? Oder
genügt es, dass es dich berührt,
dass es dich ein Stück weitergetragen hat? Vielleicht liegt darin eine leise
Freiheit: Wer erkennt, muss nicht verurteilen, darf Dinge auch stehenlassen.
Und manchmal genügt es, wenn ein Werk bleibt.
Auch dann,
wenn der Mensch dahinter nicht makellos war.
gute und interessante Gedanken über den Charakter eines Menschen den man bisher ganz anders *kannte - empfand und glaubte zu erkennen weil seine Lyrik ihn mit dir verband
AntwortenLöschenda kein Mensch auf Erden als makellos-schnörkellos perfekt und unschuldig geboren,lebte und starb von Gott erschaffen wurde haben auch wir weder das Recht noch den Anlass ihn zu beurteilen geschweige denn seine Lebensführung zu verurteilen, das wäre arrogant-überheblich und mehr als nur eine Anmassung sich über andere zu erheben und genausowenig ein guter Charakterzug...
Für ihn spricht nur was er uns durch seine Kunst auf Erden schenkte und tat.
Manipulationen durch Dritten sollte man niemals Glauben schenken...ich glaube nicht, dass man sich hierdurch auch nur für eine Sekunde besser fühlen würde..
dir einen guten Morgen...angel
Liebe Erika, du hast eine gute Entscheidung getroffen kein Mensch ist makellos und jeder ist anders. Ich bewundere trotzdem seine Werke die sehr gerne habe... mir fällt ein damals in seinen Alter war die Welt wieder total anders wie die heutige...
AntwortenLöschenNein ich bilde mir kein Urteil über ihn. Er bleibt mir so in Erinnerung wie ich ihn über seine Werke kenne...
danke für diesen Anstoss sich so auszutauschen!
Schönes Wochenende
Lieben Gruss Elke
Liebe Erika,
AntwortenLöschenes berühren mich Menschen dann unangenehm, wenn sie anderen Menschen psychischen oder physischen Schaden zufügen. Da kann ich dann das Werk nicht mehr gut vom Künstler trennen. Es bleibt etwas Unangenehmes haften.
Ich las einst in Lebenserinnerungen von Consuelo de Saint- Exupéry, ihr Gatte, den sie im Buch auch entschuldigt und verteidigt, hat ihr dennoch einiges angetan.
Dass Hesse in seiner Seele keine Ruhe fand und er auch düstere Gedanken gegen andere Menschen hatte - kann man ihm sowas vorwerfen? Dazu kenne ich nicht genug und ich belasse es auch dabei.
Ich erwarte keine Makellosigkeiten bei Menschen. Vielleicht suche ich in ihren Werken aber eine gewisse Glaubwürdigkeit, so möchte ich es nennen.
Danke für Deine sehr interessanten Fragen und Anregungen,
herzliche Grüße, C Stern
Hermann Hesse hatte die feine Gabe, mit seinen Werken Menschen zum Betrachten großer Lebensfragen zu inspirieren. Er beschönigte nichts. Er verhässlichte aber auch nichts. Er be-schrieb. Es werden oft in irgendwelchen Biografien z.B. heilige zu Zuckegestalten degradiert oder Künstler als egomanische Negativmenschen, als schizophren usw. posthum dargestellt.
AntwortenLöschenIch liebe das Zitat, dass du hier anführst und das Foto dazu! Das ist Hesse!
LG Dori
Erst mal beurteile ich den Menschen danach wie er mich berührt mit seiner Kunst. Es steht mir nicht zu ihn zu verurteilen. Vor Gott sind alle Menschen gleich und er allein weiss wie der Mensch wirklich in seinem Denken und Leben war. Ich kannte ihn nicht und muss auch nicht alles gut heißen. Alles hat immer zwei Seiten. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen, weil ich mich nicht mit ihm befasst habe.
AntwortenLöschenLieben Gruss, Klärchen