Die weltpolitische Lage kommentiere ich hier nicht. Über das Wetter reden, geht immer. Wir im Norden, bibbern bei Minusgraden durch den Tag, aber: es wäre Jammern auf hohem Niveau. Denn die Sonne scheint fast den ganzen Tag, was den Gute-Laune-Pegel erfreulich hochhält. Die Aufenthalte Draußen sind begrenzt auf Hunderunden und kurze Gartenepisoden. Was liegt also näher, als sich mit der heimischen Bibliothek zu befassen und in den Regalen und auf den Arbeitstischen „aufzuräumen“. In erster Linie dient dieses Aufräumen natürlich meiner eigenen Erbauung, welche Schätze werde ich in den Stapeln finden, die meiner Aufmerksamkeit entgangen sind? Wo ist die nächste gute Geschichte, in die ich versinken möchte. Und natürlich wurde ich fündig. Ich werde immer fündig. Dieses Mal fand ich einen Roman, mit einem merkwürdig langen Titel, der mich neugierig machte. Voila, hier stelle ich ihn euch vor:
Das "Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland" ist alles andere als ein „normales“ Handbuch für Reisende. Sarah Brooks hat kein Reisehandbuch geschrieben, sondern einen Fantasy-Abenteuerroman, der mitsamt seiner Leserschaft immer wieder ins Mystische des ausgehenden 19. Jahrhunderts abtaucht.
Die Handlung dreht sich um - und spielt im Transsibirien-Express, dessen Route durch die gefährliche Wildnis des „Ödlands“ verläuft. Dieses geheimnisvolle Ödland ist eine gefährliche Wildnis, die zwischen China und Russland verortet wird. Das fiktive Ödland, das nichts weniger ist als eine alternative Realität, steckt volle Rätsel und zieht Reisende seit vielen Jahren in seinen Bann. Es ist besiedelt von furchterregenden Kreaturen, nie gesehenen Naturphänomenen und bemerkenswerten Lebensformen, die den Zug, die Besatzung und seine Passagiere in Atem halten.
Die Geschichte erzählt von einer Gruppe unterschiedlicher Passagiere und der Crew des Zuges. Alle sind noch angespannter als sonst, da alle Erinnerungen an die vorherige Reise auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Sicher scheint nur, dass bei der letzten Durchquerung des Ödlands etwas schrecklich schiefgelaufen ist. Doch warum spricht niemand darüber?
Die Hauptfiguren sind:
Weiwei, das Zugkind, ein junges Mädchen, das auf dem Zug geboren wurde und dort ihr ganzes Leben verbracht hat.
Maria, eine Frau mit einer geliehenen Identität, die nach Antworten über ihren Vater sucht.
Henry Grey, der Naturforscher, der in Ungnade gefallen ist und der nach Wiedergutmachung sucht.
Und andere Mitreisende, wie die Gräfin oder der Professor - und Elena.
Die Handlung ist dicht und voller Geheimnisse. Sie konzentriert sich stark auf die Passagiere und die Besatzung des Zuges, die zusammenarbeiten müssen, um die Reise zu überleben. Die Atmosphäre während der Fahrt, die Geschichten, die gewoben werden, sind berührend und ziehen den Leser/ die Leserin in ihren Bann, während das Unerklärliche droht, in den Zug einzudringen und sie alle zu verschlingen. Das Buch zeigt großartige Charaktere, die alle mit ihrem ganz persönlichen Geheimnis reisen und zeichnet eine teilweise magische, übernatürliche Atmosphäre.
Wäre ich gerne mitgefahren? Ja, ich glaube schon. Alleine die Möglichkeit, ein Wesen wie Elena kennenzulernen, wäre zu verlockend.