Mai 26, 2022

Bäume

 





Immer sind es Bäume

die mich verzaubern

Aus ihrem Wurzelwerk schöpfe ich

die Kraft für mein Lied


Ihr Laub flüstert mir

grüne Geschichten

Jeder Baum ein Gebet

das den Himmel beschwört


Grün die Farbe der Gnade

Grün die Farbe des Glücks


(Rose Ausländer)





März 25, 2022

Tarot

 




Wir waren 3 oder 4 junge Frauen in der Küche der Freundin,  damals in den 80ger Jahren,  die später einmal meine Küche werden sollte. Meine Freundin litt. Ihr langjähriger Partner und Verlobter hatte sie gerade wegen einer anderen verlassen. Ja natürlich, es sind immer die gleichen Geschichten. Vom Lieben und Leben vom Verlassen werden, vom Kommen  und vom Gehen.  

So  legten wir die Tarot Karten von Smith-Waite, die ich ein paar Tage vorher in der Bücherei des Ortes gekauft hatte. Und wooo, alles stimmte. Hinsichtlich Freude und Leid, konnte sie sich wieder erkennen, nur  was die  Zukunft betraf, wurde alles anders. Das stellte sich jedoch erst einige Jahre später heraus.

Plötzlich ein Krachen, ein Poltern, die Küchentüre flog laut zu und wir sahen uns höchst erschrocken an. Hatte das Legen der Karten eine so starke Wirkung auf anwesende Geistwesen, dass sie sich Gehör verschaffen wollten? Es wurde plötzlich sehr kalt in der Küche und wir alle sahen uns mit schreckgeweiteten Augen an. Konnte das sein? Vorbei war die Legung und irgendwie schien pure Angst in jeder von uns zu sein. Ich war mir keiner Unterlassung bewusst. Die Karten hatte ich „gereinigt“ und das Leben um uns herum,  um gute Energien gebeten.

Heute, nach vielen Jahren und anderen Geschehnissen, weiß ich diesen Hinweis zu schätzen. Ich bleibe hier bewusst allgemein. Es hatte damals vieles einen schönen Bezug zu Goethes Zauberlehrling, der versuchte, abseits des Meisters einen Zauberspruch zu wirken. Letztlich erkennend, dass die Geister, die er rief nur seine eigenen  waren ...  nicht die seines Meisters.

 



Für alle Freunde des Zauberlehrlings oder diejenigen, die ihn wieder lesen möchten, kopiere ich den Text hier hinein. Die Quelle ist  Wikipedia.

 

Der Zauberlehrling ist alleine und probiert einen Zauberspruch seines Meisters aus. Er verwandelt mittels Zauberspruch einen Besen in einen Knecht, der Wasser schleppen muss. Anfänglich ist der Zauberlehrling stolz auf sein Können, doch bald merkt er, wie er der Situation nicht mehr gewachsen ist.



Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

»In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur
zu seinem Zwecke,
erst hervorder alte Meister.«




Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zauberlehrling

 


März 17, 2022

Vollmond in Jungfrau

 



Wenn Lärm die Haut deiner Seele entstellt

lege dir den Mond aufs Gesicht

und beschweige die Welt


Rabbi Nachmann von Bratzlaw




Tageskarte: Die Welt


Quelle: Wikipedia






Mond mundan. Quelle: Astrocom


Februar 01, 2022

Der erste Monat im Jahr der Liebenden ist vorüber


Foto: Wikipedia

Die Liebenden – die Jahreskarte im Tarot für das Jahr 2022.

 Welche Geschichten wollen erzählt und gehört werden? Welche Wege führen zu uns und unseren Welten. Werden wir die Schleier zwischen den realen und den magischen Welten  erfühlen und durchschreiten können.


 … Mögen wir glücklich sein, mögen wir sicher und geborgen sein, mögen wir gesund sein und mögen wir unbeschwert leben ...


Die Rauhnächte sind vorüber.  Das Alte gut verstaut in Erinnerungsschachteln, Bildern und Gedanken. Geliebte Menschen gehen weiter, bleiben sie im Samsara, dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten oder sind sie frei. 


Foto: Wikipedia


Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit. Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es.

Thich Nhat Hanh, gestorben am 22.1.2022


Foto: Wikipedia


Om Shanti, Shanti, Shanti.

Frieden, Frieden, Frieden.




Dezember 16, 2021

Die Zeit, Abschiede und neues Leben

 

Zeitspirale von ENT


Die letzten Tage des Jahres rauschen an mir vorbei. Wo früher freudiges und gespanntes Warten und Erwartung hin zur  geweihten Nacht strebten, herrscht heute offenbar Mangel. Mangel an Zeit. Mangel an Menschen. Mangel an Leichtigkeit. Mangel an Lebensfreude?

Generell scheint ein Mangel an Gelegenheiten zu herrschen. Oder ist es "nur" die  Zeit, die gerade unglaublich schnell läuft. Ist das Leben schneller geworden oder bin ich zu schnell?

Es ist tröstlich, mich an Lyrik zu erfreuen. Heute lese ich Ricarda Huch, sie schrieb:


Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
sich tiefer und tiefer ins Herz hinein.
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.
Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere,
Bis in den Traum.
Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.


Ricarda Huch

 

Ich lese immer wieder, dass man "durch das Loslassen in die Leichtigkeit" kommen soll. Und versuche, mich darin zu üben. Ich mustere Dinge aus, Kleidung, Kram und Krempel. Räume aus und räume wieder ein und stehe dennoch vor vollen Schränken. Es heißt, man solle die alten Dinge als Dünger für das Kommende nehmen. Wie soll das gehen? Dann müsste ja doch vieles bleiben und ich baue - was - darauf auf. 

Was kann ich noch loslassen? Bücher, Schuhe, Taschen. Nun kommt es wie ein Rausch über mich. Ich überlege, dass ich wenn ich gerade so schön in Fahrt bin, auch immaterielles ausmisten möchte. Alte Hoffnungen z.B., die sich nicht erfüllt haben ... weg damit! Unerfüllte Lebenswünsche ... brauche ich die Erinnerung an sie? Nein. Ich brauche Raum für Neues, also weg damit. Und in einer der hinteren Ecken sehe ich etwas, das ich erst nach längerer Zeit als alte Ängste, einstufen würde. Gut versteckt, in den hinteren Winkeln und doch willens, jederzeit wieder in Erscheinung zu treten. 






Fotografie von Wanda von Debschitz-Kunowski - Die Blauen Bücher: Menschen der Zeit. Hundert und ein Lichtbildnis wesentlicher Männer und Frauen aus deutscher Gegenwart und jüngster Vergangenheit, Karl Robert Langewiesche Verlag, Königstein 1930, Bild 83, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=526610



Wer war Ricarda Huch? Ricarda Octavia Huch, Pseudonym Richard Hugo (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg im Taunus) war eine deutsche Schriftstellerin, Philosophin und Historikerin, die als eine der ersten Frauen im deutschsprachigen Raum im Fach Geschichte promoviert wurde. Sie schrieb Romane und historische Werke, die durch einen konservativen und gleichzeitig unkonventionellen Stil geprägt sind.  Quelle: Wikipedia