Sonntag, 16. November 2014

Novembergedanken

sind in diesen Tagen solche, die sich mit
Loslassen und Abschiednehmen beschäftigen.
Sich zu schaffen machen an dem, was zu Ende geht. 
Raum schaffen für das, was neu kommen will - und wird.


Von Eva Strittmatter bewegt mich:


Morgens Abends

Eines Morgens siehst du: aus der Schonung wurde

 ein Wald.

Eines Abends begreifst du: diesen Sommer wurdest

 du alt.

Dem Juniende sind schon Spuren vom Herbst

 beigemischt.

Die langen langen Regen haben die Zeiten verwischt.
Die roten Rosen weinen und welken ohne Duft.
Würde die Sonne scheinen, röteten sie die Luft.
Eines Morgens siehst du das erste gilbende Blatt.
Eines Abends begreifst du, dass einer dich nicht 

geliebt hat.

Deine nässekalten Hände halten einander fest.
Niemals ist alles zu Ende, immer bleibt noch ein Rest,
Eine Rose nach dem Regen und manchmal nach 

dem Schnee.

Man muss sich weiterbewegen, das ist, was ich versteh.
Eines Morgens siehst du, der Himmel ist blau über dir.
Eines Abends begreifst du, was das heißt, du bist 

noch hier.



* * * * * 

Die, die Ihr noch hier seid, seid bedankt für Eure Geduld und Eure Freude an den Worten dieser wunderbaren Lyrikerin. Seid herzlich gegrüßt in die Novembernacht hinein und 

habt es fein!

Eure Erika



Kommentare:

  1. Oh wie wunderbar , es trifft die Zeit genau... Eva versteht es in Worten zu malen... Danke für das Gedicht :)

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  2. Eine wunderbare Post heute, danke dafür! Dir einen schönen Abend! GLG, Valerie

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  3. da kann ich nur zu stimmen liebe Erika meiner Vorgängerin gemalte Gefühle die ich spüre nach diesen Novembergedanken ... wunderschön und eine Tiefe, die einen berührt... dieses Neblige vergehende an der Natur und ich Mensch bin noch da erlebe dieses alles bis zur Erneuerung der Natur doch älter gewordne dabei auch ich nur ein wenig und nicht vergangen....

    Danke für diese wunderbare anregung der Bedeutung jetzt gerade in dieser Novemberzeit!
    Herzlichst grüsse ich dich und schlafe schön
    Elke

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  4. Liebe Erika,
    ein toller Eintrag, diese Gedanken zum November, auch wenn es eine Zeit der Melancholie, des Abschiednehmens und des Loslassens ist, gerade dann ist es wichtig zu denken, dass es auch ein Anfang ist, Raum für Neues zu schaffen.
    Ich wünsche dir einen angenehmen Wochenstart.
    LG Sadie

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  5. Liebe Erika,
    so schön, Deine Worte und das Gedicht ! Sehr berührend ! Danke und Liebe Grüße, Birgit

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  6. oh, danke liebe erika, eva strittmatters gedichte begleiten mich schon durch viele jahrzehnte, ich kann mich gut in ihre gedankenwelt einfühlen und wie sie so draußen unterwegs war. ich glaube, dieses gedicht nehme ich heute abend einer freundin mit... auch dafür danke! lieben gruß und eine gute woche ghislana

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